Japanische Mafia

Werden Männer zur Arbeit in Fukushima gezwungen?

Japanische Medien berichten, die Abschaltung des Krisen-AKW Fukushima stehe bevor. Doch an den Fortschritten der Aufräumarbeiten sei das organisierte Verbrechen beteiligt.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Japans Regierungschef Yoshihiko Noda will nach Informationen japanischer Medien am Freitag die kontrollierte Abschaltung aller Reaktoren im Unglückskraftwerk Fukushima bekannt geben. Für Freitag, 18.00 Uhr (Ortszeit, 10.00 Uhr MEZ), ist eine Pressekonferenz angesetzt, wie die örtlichen Medien berichteten.

Es sei damit zu rechnen, dass Noda die Erfüllung des von der Regierung ausgegebenen Ziels verkünden werde, alle Reaktoren bis zum Jahresende herunterzufahren. Zudem sollte das weitere Vorgehen beim Abbau des Kraftwerks bekannt gegeben werden.

In dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi war am 11. März durch das Erdbeben der Stärke 9,0 und den anschließenden Tsunami das Kühlsystem so schwer beschädigt worden, dass die Brennstäbe mehrerer Reaktoren schmolzen.

Um die Reaktorkammern zu kühlen, besprühte die Betreiberfirma Tepco sie mit Wasser. Die Entsorgung der bei der Kühlung radioaktiv verseuchten Wassermengen bereitet eines der größten Probleme in dem Kraftwerk. Bei dem Unglück handelt es sich um den schwersten atomaren Zwischenfall seit Tschernobyl 1986.

Mafia soll in Aufräumarbeiten verwickelt sein

Der Journalist Tomohiko Suzuki warf unterdessen der Yakuza, der japanischen Mafia, vor, in die Aufräumarbeiten in Fukushima verwickelt zu sein. Die kriminellen Gruppen kümmerten sich darum, Arbeiter für die Aufräumarbeiten an den verstrahlten Reaktoren zu finden, sagte Suzuki, der über seine Recherchen in Fukushima ein Buch geschrieben hat.

Demnach sendet die Yakuza Schuldner als Arbeiter für die Reaktoren an, damit diese so ihre Schulden beglichen.

Ein unabhängiges französisches Labor teilte mit, es habe bei Kontrollen im Staub aus Häusern im Umkreis von 200 Kilometern rund um Fukushima radioaktive Spuren entdeckt.

Mit 20.000 Becquerel pro Kilogramm sei die Belastung im Distrikt Watari 50 Kilometer vom Kraftwerk entfernt am höchsten, teilte der französische Verband für die Kontrolle der Radioaktivität im Westen (Acro) mit. Zudem seien im Urin von Kindern aus der Präfektur Fukushima weiterhin Spuren von Radioaktivität nachweisbar.