Tahrir-Platz

Tausende Ägypter demonstrieren gegen Militärrat

Viele Demonstranten lehnen die Zugeständnisse des ägyptischen Militärrats ab: Die Proteste setzten sich in der Nacht fort. Ein Mann starb durch einen Kopfschuss.

Foto: dpa / dpa/DPA

In der Nacht zum Mittwoch ist es in Ägypten zu weiteren Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten gekommen. Dabei kam in Alexandria ein 38-jähriger Mann ums Leben. Dem Gesundheitsministerium zufolge wurde er von einer Kugel am Kopf getroffen.

In der Hauptstadt Kairo verharrten trotz Zugeständnissen des Militärs in der Nacht Tausende auf dem Tahrir-Platz. In den Seitenstraßen kam es zu Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein.

Auf nächtlichen Live-Bildern des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira waren Demonstranten zu sehen, die die sofortige Absetzung Tantawis verlangten. „Verschwinde“, skandierten sie und kündigten an, den Tahrir-Platz solange besetzt zu halten, bis ihre Forderungen erfüllt seien.

Präsidentenwahl bis Mitte 2012

Nach tagelangen Protesten hatten sich die herrschenden Generäle am Dienstag dem Druck der Demonstranten gebeugt und angekündigt, die Präsidentenwahl bis Mitte 2012 und damit früher als bislang geplant, abzuhalten.

Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi erklärte zudem in einer Fernsehansprache, die Armee werde umgehend die Macht abgeben, sollten sich die Ägypter in einer Volksabstimmung dafür entscheiden.

Dies brachte viele der Demonstranten auf. Sie fürchten, dass durch eine Volksabstimmung ein Riss durch das Land gehen könnte.

Am Mittwochmorgen kehrte auf dem Tahrir-Platz schließlich Ruhe ein. Augenzeugen sagten, die Zahl der Protestierenden habe nach dem Massenprotest in der Nacht deutlich abgenommen. Die Militärpolizei habe Polizisten und Demonstranten getrennt.

US-Regierung lobt ägyptischen Militärrat

Die US-Regierung begrüßte unterdessen die jüngsten Ankündigungen des Militärrats zum beabsichtigten politischen Kurs. Außenministeriumssprecherin Victoria Nuland lobte insbesondere das Festhalten an der Durchführung der Parlamentswahl in der kommenden Woche sowie die geplante Machtübergabe an eine zivile Regierung bis spätestens Juli 2012.

Zugleich kritisierte Nuland jedoch das zuletzt gewaltsame Vorgehen der ägyptischen Polizei gegen Demonstranten.

Der Militärrat müsse für eine maximale Zurückhaltung aufseiten der Sicherheitskräfte des Landes sorgen, hieß es in Washington. Bei den Zusammenstößen in Kairo wurden seit Samstag 29 Menschen getötet.