Rücktritt

Britischer Minister stolpert über Männerfreundschaft

Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox hat seinen besten Freund und Trauzeugen nicht nur privat ins Vertrauen gezogen. Nach tagelanger Kritik zieht er die Konsequenz.

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Nach massivem Druck der Öffentlichkeit hat der britische Verteidigungsminister Liam Fox die Konsequenzen aus seiner zu engen Verstrickung von Regierungsamt und Privatleben gezogen. Wie sein Ministerium in London mitteilte, reichte Fox bei Premierminister David Cameron telefonisch und schriftlich seinen Rücktritt ein. Nachfolger wird der bisherige Verkehrsminister Philip Hammond.

Fox hatte seinem engen Freund Adam Werritty sehr tiefe Einblicke in die Regierungsgeschäfte und möglicherweise auch Rüstungsaufträge gewährt.

Seit der schottische Konservative Fox im Frühjahr 2010 britischer Verteidigungsminister wurde, waren seine unkonventionellen Umgangsformen ein offenes Geheimnis. Der 50-Jährige zählte den australischen Popstar Natalie Imbruglia ebenso zu seinem Freundeskreis wie den ermordeten srilankischen Außenminister Lakshman Kadirgamar. Er vertrat bisweilen erzkonservative Ansichten – und tanzte auf vielen Partys.

Eine ganz besondere Beziehung unterhielt er aber zu seinem Trauzeugen, dem 34-jährigen Adam Werritty. Und darüber ist Fox nun gestolpert. Er habe „fälschlicherweise die Vermischung persönlicher Interessen und meiner Regierungsaktivitäten zugelassen“, schrieb Fox in einem Brief an Cameron. „Die Folgen dessen sind in den vergangenen Tagen immer klarer geworden.“

Cameron erklärte, er bedauere den Rücktritt sehr. „Aber ich verstehe die Gründe.“ Als Verteidigungsminister habe Fox „hervorragende Arbeit“ geleistet. „Wir haben sechs Jahre lang eng zusammengearbeitet.“ Ein Nachfolger wurde zunächst nicht benannt.

Fox stand seit längerem massiv unter Beschuss, weil er Werritty ohne Sicherheitsüberprüfung in seinem Amtszimmer ein- und ausgehen ließ. Werritty begleitete ihn auf Reisen unter anderem nach Dubai und Sri Lanka. Dabei ging es in mindestens einem Fall auch um Rüstungsaufträge.

Rund 18 Reisen gemeinsam unternommen

Fox selbst hatte Anfang dieser Woche im Unterhaus detailliert dargelegt, Werritty habe ihn in den vergangenen 16 Monaten 22 Mal im Verteidigungsministerium besucht. Man habe sich zudem bei rund 18 Reisen getroffen. Fox betonte aber, Werritty habe zu keinem Zeitpunkt Zugang zu geheimen Informationen gehabt.

Werritty gab sich auf seiner Visitenkarte als „Berater“ des Verteidigungsministers aus. Diese Position hatte er offiziell jedoch nie inne.

Cameron hatte einen hohen Regierungsbeamten mit der Aufklärung der Angelegenheit beauftragt. Ergebnisse sollten allerdings erst nächste Woche vorgelegt werden. Möglicherweise habe Fox mit seinem Schritt am späten Freitagnachmittag auf Rücksicht auf seine Mitarbeiter und die britischen Soldaten im Einsatz in Afghanistan und Libyen einem weiteren Wochenende voller Medienspekulationen zuvorkommen wollen, sagten Beobachter.