Kampfansage

Stadtwerke wollen Energieriesen die Stirn bieten

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Eine Allianz aus acht deutschen Stadtwerken hat den vier Energieriesen den Kampf angesagt. Sie wollen Milliarden in die Stromnetze stecken.

Die acht größten deutschen Stadtwerke bieten den mächtigen Stromkonzernen die Stirn. Ihre 8KU genannte Allianz kündigte umfangreiche Investitionen in die Stromerzeugung an: „Wir sind als 8KU in der Lage, in zehn Jahren zehn Milliarden Euro zu investieren und damit zehn Gigawatt Kraftwerksleistung zu bauen“, sagte der Koordinator Thomas Prauße der „Financial Times Deutschland“.

Der Gruppe gehören unter anderen die Versorger in Hannover, Frankfurt, Mannheim und Köln an. Die Ankündigung ist eine Kampfansage an die Energiekonzerne RWE, E.on, Vattenfall und EnBW, die den Erzeugungsmarkt dominieren. Erstmals sagen die großen Kommunalversorger eine konkrete Investitionshöhe zu. Die Summe würde reichen, um ein Zehntel der gesicherten Kraftwerksleistung Deutschlands zu ersetzen. Die Leistung entspricht etwa der von acht großen Kernkraftwerken.

Die Umstellung der europäischen Stromnetze auf den steigenden Anteil erneuerbarer Energien beschäftigt auch die EU-Kommission. Die Planung und Genehmigung neuer Stromtrassen und Ferngasleitungen in der Europäischen Union soll nach einem Zeitungsbericht künftig nicht länger als drei Jahre dauern. Das will die EU-Kommission diese Woche vorschlagen.

„Normalerweise muss es in drei Jahren möglich sein, ein Projekt zu planen und zu genehmigen“, sagte der zuständige EU-Energiekommissar Günther Oettinger der „Financial Times Deutschland“. Das beschleunigte Verfahren soll für alle „Projekte im europäischen Interesse“ gelten – unabhängig davon, ob sie auch mit EU-Geldern gefördert werden.

Dem CDU-Politiker schwebt vor, dass die Bürger künftig ganz am Anfang eines Projekts beteiligt werden und nicht erst, wenn schon viele Tatsachen geschaffen wurden. Für die beteiligten Unternehmen sei es wünschenswert, wenn nur eine Behörde für die Genehmigungen zuständig wäre. Für die Umstellung der europäischen Stromnetze auf den steigenden Anteil erneuerbarer Energien wie Windkraft sollen in den nächsten zehn Jahren rund 140 Milliarden Euro in überregionale Hochspannungsleitungen investiert werden – das bedeutet eine Verdoppelung der Investitionssumme.

Dazu kommen 70 Milliarden Euro für Gasleitungen, Flüssiggasterminals und -speicher. Die geplante Infrastrukturverordnung der EU-Kommission setze dafür den Rahmen, schreibt die Zeitung. Für 2013 kündigte Oettinger eine erste Liste von Projekten im gemeinsamen Interesse an, die dann alle zwei Jahre aktualisiert werden soll.

Die Kommission selbst will aus dem EU-Haushalt zwischen 2014 und 2020 gut 9 Milliarden Euro für die Förderung der Projekte zur Verfügung stellen. Für große innerdeutsche Leitungen rechnet Oettinger nicht mit Zuschussbedarf. „Eine Höchstspannungsleitung von Hamburg nach Köln oder von Bremen nach München ist im Prinzip eine Sache für private Investoren.“

( Reuters/dpa/cat )