Unfall auf der Flensburger Förde

Erneut Marine-Soldat im Dienst tödlich verunglückt

Ein 28-jähriger Kapitänleutnant ist nach einem Unfall auf einer Ausbildungsfahrt gestorben. Er wurde vom Baum des Großsegels getroffen.

Foto: Wikipedia/Felix Koenig

Neun Monate nach dem tödlichen Unfall auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ ist erneut ein Marine-Soldat im Dienst verunglückt. Nach Informationen von Morgenpost Online starb am Montagabend ein 28-jähriger Kapitänleutnant nach einem Unfall auf einem Dienstsegelboot der Marineschule Mürwik.

Der junge Schleswig-Holsteiner hatte mit einer Crew von drei Kameraden eine Ausbildungsfahrt auf der Flensburger Förde absolviert. Wie ein Marine-Sprecher „Morgenpost Online“ sagte, sei gegen 19 Uhr plötzlich der waagerechte Baum des Großsegels von der einen auf die andere Seite geschlagen und habe den 28-Jährigen getroffen.

Das rund zehn Meter lange Boot sei sofort den nächsten Hafen in Dänemark angelaufen. Von dort aus wurde der Kapitänleutnant ins Krankenhaus nach Flensburg gebracht, wo er seinen schweren Verletzungen erlag.

Zur genauen Unfallursache konnte der Marine-Sprecher noch keine Angaben machen. Dies sei der erste tödliche Unfall überhaupt auf einem Dienstsegelboot der Marine.

Der Unfall werde nun marineintern untersucht. Auch die Staatsanwaltschaft Flensburg habe Ermittlungen aufgenommen, wie üblich bei einem unnatürlichen Tod. Die Familie des Verstorbenen sei informiert. „Wir sind tief erschüttert und haben der Familie bereits unser Mitgefühl ausgesprochen“, sagte Fregattenkapitän Gunnar Wolff vom Marineamt in Rostock.

Ob eigenes Verschulden vorgelegen habe, oder ob möglicherweise Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten wurden, könne derzeit niemand beantworten. Die marineinternen Untersuchungen liefen, auch die drei übrigen Crewmitglieder würden befragt. „So etwas kann zum Beispiel durch eine Fallböe passieren“, sagte Wolff als erfahrener Segler. „Winde sind unberechenbar.“ Trotzdem gelte weiterhin: „Sicherheit wird überall groß geschrieben auf der Marine.“

Keine Parallelen zu "Gorch Fock"

Parallelen zum Unfall auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" könnten aber nicht gezogen werden, betonte der Marine-Sprecher. „In diesem Fall handelte es sich um ein Dienstsegelboot, das ist deutlich nicht mit der 'Gorch Fock’ vergleichbar.“ Nach jenem tödlichen Unfall vom 7. November, bei dem eine 25-jährige Offizieranwärterin aus der Takelage stürzte, und den folgenden Turbulenzen um die „Gorch Fock“ war in der Marine gerade wieder Ruhe eingekehrt.

Am vergangenen Freitag erst hatten die neuen 196 Offizieranwärter des Jahrgangs 2011 an der Schule in Flensburg-Mürwik ihren Eid abgelegt . Die 163 Rekruten und 33 Rekrutinnen werden allerdings nicht auf der „Gorch Fock“ ihre Basisausbildung absolvieren. Als Konsequenz aus dem tödlichen Unfall wird die Ausbildung an Bord des Segelschulschiffs derzeit umgestaltet.

Die neuen Offizieranwärter sollen ihr seemännisches Grundwissen nun zum Teil an Land und auf Schiffen des Einsatz-Ausbildungsverbandes erlernen. Details stehen noch nicht fest.

Auf das ursprünglich geplante Verlegen der „Gorch Fock“ im Herbst für zwei Monate von ihrem Heimathafen Kiel nach Flensburg zum besseren Üben verzichtet die Marine. Ab 2012 wird die Basisausbildung aber wieder auf der „Gorch Fock“ stattfinden. Bis dahin soll das neue Konzept vorliegen und ein Übungsmast zum sicheren Klettern an Land errichtet sein.