Ein jüngerer Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ist einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Ahmad Wali Karsai wurde in seinem Haus in der Stadt Kandahar im Süden des Landes erschossen, wie die Provinzregierung von Kandahar in einer schriftlichen Stellungnahme mitteilte.
Staatschef Karsai bestätigte den Tod seines Bruders. „So ist das Leben des afghanischen Volkes. Jeder von uns leidet, und wir hoffen, dieses Leid beenden zu können“, sagte er in Kabul bei einer Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten Nikolas Sarkozy.
Der Sprecher der radikal-islamischen Taliban, Kari Jussif Ahmadi, übernahm die Verantwortung für die Tat. Einer der Leibwächter Karsais mit dem Namen Mohammad Jan sei ein „Schläfer“ der Aufständischen gewesen und habe ihn getötet. Der Talibansprecher sagte, dies sei „einer der größten Erfolge“ der Taliban seit dem Beginn der Frühjahrsoffensive.
Von seinem Leibwächter erschossen
Aus Sicherheitskreisen war bereits zuvor verlautet, Karsai sei von seinem Leibwächter mit einem Sturmgewehr erschossen worden. Eine Bestätigung der afghanischen Behörden gab es dafür zunächst nicht.
Karsai war der Vorsitzende des Provinzrats von Kandahar und galt als einer der mächtigsten Männer in der Provinz . Ihm wurde immer wieder eine Verwicklung in den Drogenhandel vorgeworfen, was er und der Präsident stets dementierten.
Wiederholt Ziel von Anschlagsversuchen gewesen
Ahmed Wali Karsai war schon wiederholt Ziel von Anschlagsversuchen. Im Mai 2009 geriet sein Wagenkonvoi in einen Hinterhalt in der Provinz Nangarhar. Einer von Karsais Leibwächtern wurde getötet, er selbst blieb unverletzt.
Weniger als zwei Monate zuvor hatten vier Selbstmordattentäter der Taliban Karsais Büro gestürmt. 13 Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben, der Karsai zufolge ihm galt. Ein Sprecher der Taliban erklärte, Anschlagsziel sei der Provinzrat gewesen. Karsai hatte das Gebäude wenige Minuten zuvor verlassen
Karsai hinterlässt fünf Kinder
Die Tochter des Bürgermeisters von Kandahar sagte, Karsai hinterlasse fünf Kinder – zwei Söhne und drei Töchter. Sein jüngster Sohn sei vor etwa einem Monat geboren worden.
„Ich weine wegen des einen Monat alten Kindes, das seinen Vater niemals sehen wird“, sagte sie schluchzend am Telefon. „Wie viele werden wir in diesem Land noch zu Waisen und Witwen machen?“
Hamid und Ahmad Wali Karsai sind eigentlich Halbbrüder. Sie haben denselben Vater, aber verschiedene Mütter. Das islamische Recht erlaubt es einem Mann, mehrere Ehefrauen zu haben. Daher sprach der Präsident auch in der Öffentlichkeit stets von seinem jüngeren Bruder.
AFP/dapd/dpa/jm/mcz





