Milliardengeschäft

Bombardier verzögert Lieferung von Regiozügen

178 Regionalzüge hat die Bahn bei Bombardier bestellt. Doch dank bürokratischem Hick-Hack werden die Züge bisher nicht geliefert.

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Eigentlich, so sollte man meinen, müsste es bei einem Milliardengeschäft, an dem ein deutsches Staatsunternehmen, eine Bundesbehörde und ein globaler Konzern beteiligt sind, professionell, zuverlässig und mit größtmöglicher Präzision zugehen.

Schließlich kann jeder Fehler bei Abwicklung eines solchen Deals millionenschwere Folgen haben. Doch was sich die Deutsche Bahn (DB), das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) und der Schienentechnikkonzern Bombardier derzeit liefern, erinnert eher an einen Krimi – oder an eine Komödie, je nach Blinkwinkel.

Klar ist nur so viel: Niemand kann zurzeit sagen, wann die Deutsche Bahn endlich jene 178 Regionalzüge geliefert bekommt, die das Unternehmen 2007 bei den Kanadiern bestellt hatte. Eigentlich hätte seit Dezember ein Teil von ihnen bereits rollen sollen, und bis Jahresende sollten die Züge in vollem Umfang einsetzbar sein.

Doch damit rechnet im Moment niemand. „Wir glauben jetzt nicht mehr daran, dass irgendwelche Fristen, die uns Bombardier nennt, verbindlich sind“, zürnt Klaus-Dieter Scheurle, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, ein Mann, der sonst eher für moderate Töne bekannt ist.

Bahn und Bund machen Druck

Seit Monaten machen Bahn und Bund Druck auf Bombardier, die Mängel an den Zügen vom Typ Talent 2 endlich abzustellen und dem EBA darüber die entsprechenden Nachweise vorzulegen. Denn ohne die gibt es keine Zulassung. Zwischen 15. und 21. Juli habe Bombardier der Behörde die Papiere einreichen wollen, zum 1. August sollten die dringend benötigten Züge für den Betrieb freigegeben werden. Das war der vereinbarte Zeitplan.

„Wir haben aber bis zum 1. August noch nicht einmal Post in der Sache von Bombardier bekommen“, sagt Scheurle. „Unsere Geduld ist endgültig zu Ende. Immer wieder hat uns der Bombardier-Konzern Abgabetermine für die Lieferung neuer Regionalzüge genannt und nicht eingehalten.“ Bei Bombardier klingt das anders: „Die notwendigen Unterlagen liegen dem EBA seit heute vor“, heißt es. Was stimmt nun?

Am Tag der Zulassungsfrist, kabelt das EBA an das Ministerium, dass es keine neuen Nachrichten von Bombardier im Fall Talent 2 gibt. Dass der Konzern diese Frist nicht halten kann, war den Verantwortlichen im EBA und dem Bundesverkehrsministerium da schon klar, sie hatten Tage vorher eine Gruppe Journalisten ins Ministerium zu einen Gespräch über die „Talent-Krise“ geladen.

EBA-Chef Gerald Hörster fragt noch einmal nach und erfährt: Bis 10.45 Uhr keine Mitteilung von Bombardier. Das für 13 Uhr geplante Pressegespräch, mit dem der Druck auf den Zughersteller erhöht werden soll, kann also stattfinden.

Derweil erfahren die Bombardier-Manager, dass sich Bund und Behörde auf sie einschießen, hektische Aktivitäten setzen ein. 14.30 Uhr ist das Gespräch im Ministerium zu Ende, 16 Minuten später bekommt das EBA per Mail Post vom Konzern. Darin behauptet Bombardier, alle Auflagen zu erfüllen: „Das Gutachten ist positiv“, heißt es wörtlich. Wann die Regio-Züge nun zugelassen werden, sei aber nicht abzusehen. „Das hängt nun von der Geschwindigkeit des EBA ab“, sagt ein Bombardier-Manager.

Eine Zulassung der Züge steht noch aus

Wäre das die ganze Wahrheit, hätten sich Hörster und Scheurle mit ihrem Termin im Ministerium blamiert, doch es dauert keine eineinhalb Stunden nach Eintreffen der Mails, bis der EBA-Chef feststellt: „Die Unterlagen sind unvollständig.“ Unter anderem fehlen Angaben zu den Auswirkungen der Änderungen an den Bremsen.

Eine Zulassung der Züge, so wie sie die Deutsche Bahn bestellt hat, steht also weiter aus. Mit Bahnen, die allenfalls 140 Stundenkilometer fahren dürfen, will sich der DB-Konzern nicht zufrieden geben.

„Wir werden die Züge erst abnehmen, wenn die Einschränkungen und Auflagen der Zulassung abgearbeitet sind“, sagt Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. „Und eventuelle Standschäden müssen vom Hersteller behoben werden.“ Denn seit Monaten stehen rund um Berlin mehr als 80 Züge auf Halde, warten auf ihre Zulassung und verrotten. „Wir werden einwandfreie Züge abliefern“, heißt es bei Bombardier – wieder einmal.