Wladimir Klitschko

"Reiten ist gefährlicher als Boxen"

Dienstag eröffnete Wladimir Klitschko mit Ursula von der Leyen den CHIO in Aachen. Im Interview spricht er über seine Liebe zu Pferden und eine Revanche gegen Haye.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Morgenpost Online: Herr Klitschko, saßen Sie schon mal auf einem Pferd?

Wladimir Klitschko (35): Ja, schon öfters. Ich bin ja in Kasachstan geboren, Reiten und Pferde sind dort voll angesagt, so wie in arabischen Ländern. Mit sechs saß ich das erste Mal auf einem Pferd, das werde ich nie vergessen, weil das Pferd sehr schnell war. Aber ich bin nicht herunter gefallen. Heute gucke ich lieber nur zu.

Morgenpost Online: Was ist gefährlicher?

Klitschko: Nun, jeder Leistungssportler geht stets an seine Grenzen und übersteigt sie mitunter auch. Reiten ist definitiv gefährlich, es kann sogar gefährlicher als Boxen sein.

Morgenpost Online: Was halten Sie vom Reitsport?

Klitschko: Interessant ist ja, dass 50 Prozent der Gesamtleistung an den Pferden hängt. Für mich ist Reiten eine Art Formel eins auf natürliche Art. Weil Pferde keine Maschinen sind und die Emotionen spüren. Und Boxen und Reiten haben auch etwas gemeinsam, weil es in beiden Sportarten um Strategie und Taktik geht.

Morgenpost Online: Haben Sie schon von dem neuen Wunderpferd Totilas gehört?

Klitschko: Na klar, das Wunderpferd. Es gibt im Sport ja immer mal wahnsinnige Talente, die viel versprechen, aber am Ende muss auch die Leistung erbracht werden. Totilas klingt schon wie eine Legende, und der Anfang ist ja schon mal sehr vielversprechend.

Morgenpost Online: Wie geht es Ihnen nach dem Kampf gegen David Haye ?

Klitschko: Gut, danke! Aber es war schon ein ganz schöner Marathon. Vor dem Kampf New York, London und Berlin, danach war ich in Kiew, Moskau und London. Mein Terminplan ist voll, aber ich habe die zwölf Runden sehr gut überstanden und bin topfit. Sowieso fühle ich mich so gut wie nie zuvor. Ich spüre, dass ich von meinen Fähigkeiten und meinem Können auf der Spitze bin. Von daher gibt es bei mir überhaupt keine Gedanken daran aufzuhören. Ich werde mit jedem Jahr besser. Schnelligkeit, Reflexe und Reaktion sind so scharf wie nie zuvor. So lange ich boxe, werde ich nicht verlieren.

Morgenpost Online: Wie lange braucht man nach so einem Kampf, um zu regenieren?

Klitschko: Also vom Körperlichen her hatte der Haye-Kampf keine Nachwirkungen, denn er hat mich ja nicht groß getroffen oder gar ins Krankenhaus geschickt. Aber es braucht von der mentalen Seite her etwa zwei Wochen, um sich nach so einem Kampf zu entspannen.

Morgenpost Online: Sie sehen glücklich aus?

Klitschko: Absolut, ich habe mit meinem Bruder Vitali 15 Jahre davon geträumt, alle Titel der vier wichtigen Verbände im Besitz zu haben. Diesen Traum haben wir uns endlich erfüllt. Das freut uns natürlich sehr. Obwohl es auch ein bisschen traurig ist, weil wir jetzt alles erreicht haben. Aber die Geschichte des Boxens lehrt einen, dass die Konkurrenz nicht schläft.

Morgenpost Online: David Haye hat jüngst gesagt, er wolle einen Rückkampf gegen Sie. Sind Sie dabei?

Klitschko: Ach, es gab schon soviel Versprechen von Haye und soviel Theater in den letzten zwei Jahren. Ich habe große Zweifel, dass er diesen Rückkampf wirklich machen will. Ich sage niemals nie, schließe also einen Rückkampf absolut nicht aus. Ich habe überhaupt keinen Druck und lasse das mal so auf mich zukommen. Ich denke, dass David Haye in dem Müll langsam versinkt, den er über Jahre produziert hat. Die Realität holt ihn gerade ein, der er hat jetzt den Boden unter den Füßen verloren. Menschlich hat er komplett versagt. Wenn er wirklich einen Rückkampf will, dann sollte er erst einmal zwei, drei Aufbaukämpfe in den USA machen. Da kann er beweisen, ob er es wirklich ernst meint.