Dass ausgerechnet Bill Clinton im Wahlkampf in Florida Gerüchten zufolge ein unmoralisches Angebot unterbreitet haben soll, mag ein Zufall sein. Interessanterweise hat der Ex-Präsident in diesem – angeblichen - Fall einen Korb kassiert, und obwohl der gesamte Vorgang heftig dementiert wird, haben Politiker und Wähler auf der Zielgeraden vor dem Wahldienstag Stoff für hitzige Debatten.
Clinton soll den Kandidaten seiner Partei für den US-Senat, Kendrick Meek, gebeten haben, seine Bewerbung zurückzuziehen. Denn Meek liegt nach den Umfragen recht aussichtslos auf dem dritten Platz, während der von der Tea Party unterstützte Marco Rubio als Kandidat der Republikaner führt.
Ihm folgt einigermaßen eng der bisherige Gouverneur Charlie Christ, ein Republikaner, der nun aber als Unabhängiger antritt. Christ ist nämlich verärgert, dass in den Primaries die Republikaner dem konservativen Rubio den Vorzug gaben. Darum signalisierte Christ, im Senat würde er im Falle einer Wahl mit dem Caucus, mit der Gruppe der Demokraten gemeinsame Sache machen.
Und im Wahlkampf präsentiert sich Christ mit einem gewissen Erfolg als überparteilicher Mahner der Vernunft, der ohne parteipolitische Scheuklappen einen Zwischenweg zwischen linkelnden Demokraten und erzkonservativen Tea-Party-Republikanern suche.
Clintons Kalkül, gestützt auf die Prognosen der Demoskopen: Sollte der als chancenlose geltende Meek aussteigen, würden dessen demokratische Wähler im Verhältnis 9 zu 1 zu Christ wechseln und ihn möglicherweise an Rubio vorbeiziehen lassen. Der Afroamerikaner Meek soll dem Drängen Clintons, der sich als sein Freund versteht, fast zugestimmt haben. Dann weigerte sich der Kongressabgeordnete aber offensichtlich doch, das Rennen aufzugeben.
Das Online-Magazin politico.com hatte zuerst über Clintons angeblich von Christ initiierten Vorstoß und die Ablehnung durch Meek berichtet. Kurz darauf lud Meek zur Pressekonferenz und sagte: „Der Ihnen bekannte Artikel in ’Politico’ ist ungenau – bestenfalls.“
Und weiter: „Jedes Gerücht oder Statement, nach dem ich die Entscheidung getroffen habe, mich auf dem Rennen zurückzuziehen, ist unzutreffend.“ Meek fügte hinzu, weder Clinton noch das Weiße Haus hätten ihn zu einem Rückzug drängen wollen. Im Übrigen sei Christ ein „konservativer Republikaner“ und er mithin die einzige Alternative für liberale und linke Wähler und für die Mitte.
„Wir sprachen vorige Woche nach einer Veranstaltung in Orlando über den Wahlkampf und dessen Herausforderungen“, erklärte Clinton zu der Angelegenheit. „Weder bat ich Kendrick, aus dem Rennen auszusteigen, noch sagte Kendrick, dass er dies tun würde.“ Der Ex-Präsident fügte hinzu: „Ich sagte ihm, es sei seine Sache, wie er sich verhalte.“
Also – alles nur ein Gerücht oder gar eine Intrige aus dem Christ-Lager, der sich nach eigenen Worten nicht daran erinnern kann, Meek um einen Verzicht auf seine Kandidatur gebeten zu haben? Nun soll es auch schon Präsidenten gegeben haben, die gelogen haben. Aber wären dazu etwa auch Ex-Präsidenten in der Lage?



