Die Anruferin im kalifornischen Palm Springs bezeichnete sich als registrierte Republikanerin, warb aber nicht für Mary Bono Mack, die Kandidatin der „Grand Old Party“, sondern für Bill Lussenheide, vorgestellt als Vertreter der American Independent Party. „Es ist Zeit, dass wir Washington zeigen, wie ein wirklicher Konservativer aussieht“, sagte die engagierte Anruferin.
Die American Independent Party, ein am rechten Rand 1967 in Kalifornien gegründete Partei, gibt es tatsächlich. Aber was nach ihrer Reaktivierung oder dem derzeit regen Protestverhalten der Tea Party klang, war in Wirklichkeit ein Trick der Demokraten. Die Telefonkampagne wurde finanziert von Steve Pougnet, dem Bürgermeister von Palm Springs, der im Namen der demokratischen Partei für den Kongress kandidiert.
Die „New York Times“ listete dieser Tage viele ähnliche Versuche der um ihre Kongressmehrheiten fürchtenden Demokraten verteilt über die gesamten USA auf. Sie simulieren Initiativen dritter Parteien, um das Wählerpotenzial der Republikaner zu spalten.
In Pennsylvania etwa schickte Bryan Lentz, ein Kandidat der Demokraten, seine Wahlkampfhelfer los, um für den konservativen Jim Schneller Unterschriften zur Beteiligung an der Kongresswahl zu sammeln. Schneller gehört zu den „Birthern“, die die rechtmäßige US-Staatsbürgerschaft von Barack Obama in Zweifel ziehen und behaupten, in Wirklichkeit sei der Präsident in Kenia geboren. Verschwörungstheoretiker Schneller sollte durch die Unterstützung aus demokratischer Ecke in die Lage versetzt werden, vor allem dem Republikaner Pat Meehan Stimmen aus der rechten Klientel abzujagen, um Lentz den Weg zum Sieg zu ebnen.
In Nevada, in der die von der Tea Party unterstützte Sharron Angel im Senatsrennen gegen den Demokraten Harry Reid antritt, warb ein Radiospot für Scott Ashijan, vorgestellt als Kandidat einer „Tea Party von Nevada“. Angel wurde in der Werbebotschaft kritisiert. Finanziert wurde der Spot von einer Gruppe, die von Gewerkschaftern, Casinobetreibern und Bergwerkfirmen im Umfeld von Reid unterstützt wird.
Zu einem ähnlichen Trick auf niedrigerer Ebene hatte in Tempe (Arizona) unlängst ein republikanischer Kommunalpolitiker gegriffen. Wie ebenfalls die „New York Times“ berichtete, warb Steve May drei wohnungslose Männer an, die nun als „Grüne Partei“ für die Arizona Corporation Commission kandidieren, ein Gremium zur Kontrolle öffentlicher Versorgungsunternehmen und der Sicherheit bei der Eisenbahn.
Die vermeintlichen Umweltschützer, die nach dem Seufzer eines Rechtsanwalts der Demokraten „grün nicht von rot unterscheiden können“, sollten den Demokraten Stimmen abjagen. Weil ohne feste Bleibe, absolvierten die drei Männer im Alter von 20, 27 und 53 Jahren ihre Pressetermine im örtlichen Starbucks.




