Wenn aus dem St. James’s Palast, dem alten Sitz der britischen Herrscher, verlautet, William und Kate seien nach ihrer Verlobungsankündigung noch immer „im siebten Himmel“ (die englische Sprache sagt „Wolke Neun“ – „cloud nine“), dann darf die Nation aufatmen: Dies ist ein Paar nach dem Geschmack der Vielen, ein Paar ohne Allüren, mit Empfindungen wie du und ich.

William scheint die „emotional intelligence“ seiner Mutter geerbt zu haben, wie die Kommentatoren schreiben, die Fähigkeit zum Denken mit Kopf und Herz, was sich deutlich von der oft erlebten kühlen Gebärdensprache der Windsors abhebt. Ein langer Honeymoon zwischen den Verlobten und der britischen Öffentlichkeit zeichnet sich ab.

Doch das ist die weite Zukunft – jetzt muss für die unmittelbare geplant werden: Wo wird geheiratet? Wann? In welchem Rahmen? Erste Spekulationen, die königliche Familie könnte die Royal Chapel im St. James’s Palast oder die St. George’s Chapel auf Schloss Windsor bevorzugen, scheinen sich nicht zu bestätigen.

Man will zwar keinen Pomp in ökonomisch angeschlagenen Zeiten, aber verstecken will man seine „besten Pferde im Stall“ auch wieder nicht. Weder Windsor noch die Royal Chapel würden genügend Öffentlichkeit erlauben, mit der man angesichts der Beliebtheit von Prinz William und seiner Zukünftigen rechnen muss.

Es mehren sich die Anzeichen, dass alles doch auf die Westminster Abtei („Abbey“) zuläuft, die traditionelle Krönungskirche der englischen Monarchen; schon Wilhelm der Eroberer wurde hier 1066 als neuer Herrscher der Insel inthronisiert. Dabei hat die Abbey mehr gesehen als nur die Salbungen des jeweiligen Herrschers; schließlich steht mit William und Kate ja auch keine Krönung ins Haus, sondern nur eine Hochzeit.

Aber auch in dieser Sparte kann die Kathedrale mit Tradition aufwarten. Hier heirateten 1923 die Eltern der Queen, der Duke of York und Elizabeth BowesLyons, die 1936 als Georg VI. und Königin Elizabeth auf den Thron nachrückten. Hier heirateten 1947 die Prinzessin Elizabeth und ihr griechisch-dänisch-deutscher Ehemann Philip Mountbatten, seit 1952 Queen Elizabeth II. und ihr Prinzgemahl, der Herzog von Edinburgh. Und es war die Abbey, in der sie vor drei Jahren ihre diamantene Hochzeit feierlich begingen. Prinz William, als übernächster Thronerbe, würde gut in diese Reihe passen, weniger als die Abbey kann man ihm und Kate eigentlich nicht antun. Und war es nicht hier, wo 1997 das Requiem für die unvergessene Diana, Williams’ Mutter, stattfand?

Kate wurde am Mittwochabend photographiert, wie sie gerade die Westminster Abtei nach einer Ortbesichtigung verließ; die Kirche war Stunden zuvor für die Öffentlichkeit geschlossen worden. Es heißt, die junge Frau habe ihren Besuch als Prüfung „einer Option“ verstanden. Da wird der Kopf der Firma, die Königin, ein gewichtiges Wort mitreden, und viele Berater obendrein, die den Hof umschwirren wie emsige Bienen.

Nicht auch Prinz William? Gewiss, aber der ist bereits zu seiner RAF-Einheit nach Nordwales zurückgekehrt, zu seinem Berufsalltag als Pilot eines Rettungshubschraubers. Das Leben auf dem Militärstützpunkt wird Kate mit William auf unbestimmte Zeit teilen. Ein Vorteil, lässt sich doch so eine verfrühte „Überbelichtung“ des übernächsten Thronfolgers und seiner attraktiven Frau vermeiden. Zu den Quartieren dort wird die Presse, schon aus Sicherheitsgründen, kaum Zutritt haben, somit könnte das Paar weitgehend unbelästigt von Paparazzi ein normales Eheleben führen.

Wann wird geheiratet? Man munkelt, die beiden wünschten sich ein Datum im März, aber die Mehrheit der Berater scheint einem späteren Termin zuzuneigen, der freilich nicht zu nah an den 29. Juli heran rückten sollte, das Heiratsdatum (1981) von Williams Eltern. Die gaben sich in der St. Paul’s Kathedrale das Jawort – womit natürlich diese Kirche für William und Kate ausfällt. Schon hat sich übrigens ein Erzroyalist, der Popsänger Sir Tom Jones, als „Nummer“ bei der Hochzeit ins Spiel gebracht. „Wenn sie mich einladen, werde ich bestimmt kommen und ihnen einige Songs vorsingen“, meinte der Unentwegte aus Wales, der seit 50 Jahren die Popcharts der Insel ziert.

Die Uhr läuft. Das Land fiebert. Endlich mal gute Nachrichten in all der Schlagzeilen Trübsal.