Im Kampf gegen die weiter sinkenden Zulassungszahlen startet Opel jetzt eine vertrauensbildende Maßnahme von bislang ungeahnter Tragweite: „Ab sofort gibt es für alle Neuwagen eine lebenslange Garantie“, verspricht Firmenchef Nick Reilly und lässt damit die bisherigen Spitzenreiter Kia mit sieben Jahren und Hyundai mit fünf Jahren ziemlich mickrig aussehen.

Bei der Ankündigung des mutigen Versprechens sagte Reilly: „Opel startet jetzt durch. Mit diesem Schritt unterstreichen wir unser Vertrauen in die Qualität und Werthaltigkeit unserer Produkte sowie in die Kraft der Marke Opel.“ Dumm nur, dass zumindest den Deutschland dieses Vertrauen offenbar fehlt: Denn mit gut 131 000 Zulassungen von Januar bis Juli liegen die Hessen rund 40 Prozent unter den ersten sieben Monaten des letzten Jahres. Und das, obwohl zum Beispiel der neue Opel Astra da noch gar nicht im Handel war.

Mit der lebenslangen Gewährleistung schlägt Opel beim Kunden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die Marke stärkt das Vertrauen, drückt die Betriebskosten und stützt obendrein den Wiederverkaufswert. Wer jetzt einen Opel bestellt, so die Argumentation der Strategen, muss sich keine Sorgen machen, muss kein Geld für Reparaturen beiseite legen und kann sein Auto auch noch zu einem guten Preis verkaufen.

Auch wenn sie über die Kosten dieses gemeinsam mit einer Versicherung realisierten Angebots lieber nichts sagen, wird es das Garantieversprechen bei allen Qualitätsverbesserungen nicht zum Nulltarif geben. „Aber wir haben unsere Garantiekosten seit 2006 um 30 Prozent gesenkt. Nur deshalb können wir uns solche Aktionen jetzt leisten“, sagt Pressesprecher Christoph Birringer und verweist stolz auf aktuelle Mängelstatistiken: So wurde etwa der Corsa von der Sachverständigenorganisation Dekra in diesem Jahr mit der besten Quote von 97,6 Prozent fehlerfreier Fahrzeuge zum Fahrzeug mit der niedrigsten Mängelquote überhaupt und zu einem der Gesamtsieger gekürt.

Zwar spricht Opel freimütig von einer lebenslangen Garantie und sticht die Konkurrenz damit tatsächlich aus. Doch so ganz ohne Fußangeln und Kleingedrucktes geht es offenbar nicht. Denn Lohn und Material bezahlt der Hersteller nur in den ersten zwei Jahren und danach bis zu einer Laufleistung von 50.000 Kilometern. Tritt danach ein Garantiefall ein, übernimmt Opel nur die Lohnkosten in voller Höhe und verlangt für Ersatzteile einen nach der Laufleistung gestaffelten Eigenanteil. Die Staffelung reicht von von 90 Prozent (50.000-60.000 km) bis 40 Prozent (100.000 bis 160.000 km). Ausgenommen bleiben die Modelle Movano, Vivaro und Combo.

Außerdem gilt das ganze natürlich nur, wenn man den Wartungsplan einhält. Mit dem Neuwagen-Kauf erhalten die Opel-Kunden ein Garantiezertifikat. Nach Ablauf der zweijährigen Herstellergarantie und spätestens 36 Monate nach Erstzulassung ist zudem eine jährliche Aktivierung beim Opel-Händler Voraussetzung. Diese Aktivierung kostet 11,90 Euro.

Problematischer wird es beim Wiederverkauf: Der neue Besitzer kann die Garantie nur in den ersten sechs Jahren nach Erstzulassung, bei Einhaltung des Wartungsplans und bei einem Tachostand von weniger als 100.000 Kilometern übernehmen. Außerdem werden dann je nach Modell und Laufleistung jährliche Gebühren von mindestens 150 Euro fällig.

Einen weiteren Haken findet man bei der Laufleistung: Lebenslänglich heißt für Opel nämlich nicht bis auf den Schrottplatz, sondern bis maximal 160 000 Kilometer. Allerdings bedeutet das bei einer durchschnittlichen Laufleistung von derzeit 11.000 Kilometern im Jahr immerhin rund 15 Jahre ohne Sorgen.