Hybridantrieb

Der Toyota Prius Plug-In verbraucht nur 2,6 Liter

Toyota fährt auf leisen Sohlen in die Zukunft. Wo andere Massenhersteller noch immer keine Hybrid-Modelle am Start haben, machen die Japaner jetzt den zweiten Schritt und bringen eine Versuchsflotte von 600 Prius mit Plug-In-Technik auf die Straße. Rein elektrisch können die Autos rund 20 Kilometer weit fahren.

Das ist gerade in Toyotas Heimat Tokio ein gespenstisches Erlebnis. Wo es sonst immer laut und hektisch zugeht, sitzt man am Steuer des Prius nun in einer Oase der Ruhe und gleitet durch die Millionen-Metropole wie ein U-Boot auf Tauchfahrt. Dabei reichen die maximal 60 kW (80 PS) und bis zu 207 Newtonmeter (Nm) Drehmoment des Elektromotors völlig, aus um von Ampel zu Ampel zu kriechen oder mal etwas flotter um den Kaiserpalast zu rollen. Und wo bei uns die Passanten immer wieder von den wenigen Elektro- oder Hybridfahrzeugen irritiert zurück auf den Bürgersteig gedrängt werden, muss man in Tokio allenfalls auf die Touristen achten. Denn die Einheimischen sind so diszipliniert, dass von denen ohnehin keiner auf die Straße läuft – und das liegt allen Unkenrufen zum Trotz nicht an der Toyota-Pannenserie der vergangenen Monate.

Selbst wenn es ausnahmsweise nicht im Schritttempo durch quirlige Stadtteile wie Shinyuku, Roppongi oder Akihabara geht und der Verkehr etwas freier fließt, rollt der Hybride ordentlich mit. Sogar auf der Stadtautobahn kann man bedenkenlos stromern. Schließlich hält der Benziner bis Tempo 100 Ruhe – wenn man einen entsprechend sanften Gasfuß hat. Tritt der Fahrer dagegen kräftiger zu, springt der Verbrenner auch schon früher an. Dann klettert die maximale Leistung auf 136 PS, und der Saubermann hat beim Ampelspurt einen deutlich besseren Stand. Doch zum Rennwagen reicht es natürlich mit einem Sprintwert von 11,4 Sekunden und einer elektronisch begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h nicht.

Dafür jedoch ist der Plug-In-Prius eines der sparsamsten und saubersten Autos, das man in Deutschland demnächst fahren kann. Während der Polo Blue Motion oder der Smart CDI dem normalen Prius noch um ein paar Gramm CO2 voraus sind, wird der Teilzeitstromer mit Ladebuchse zum absoluten Spitzenreiter. Denn dank der längeren Elektroetappen geht der Verbrauch noch einmal um 30 Prozent zurück und liegt in der Norm bei 2,6 Litern und der CO2-Ausstoß bei 59 g/km.

Möglich wird der saubere Kurztrip in die Zukunft mit einem deutlich größeren und auf Lithium-Ionen-Technik umgestellten Akku, der im Heck unter dem leicht angehobenen Kofferraumboden montiert ist. Er hat eine Kapazität von 5,2 kWh und reicht im japanischen Fahrzyklus sogar für fast 24 Kilometer. Das klingt nicht nach viel. Doch weil der Motor beim Bremsen zum Generator wird und so die Batterie selbst wieder auflädt und vor allem weil man in Tokio selbst auf kurzen Strecken verdammt lange unterwegs ist, kann man die Stille des Stromers bisweilen eine Stunde und mehr genießen.

Für viele Berufspendler ist die Kapazität des Akkus damit völlig ausreichend. Zumal der Ladevorgang nicht nur unkompliziert ist, sondern auch ziemlich schnell geht. Selbst an den 110 Volt-Steckdosen in Japan ist die Batterie nach drei Stunden voll, so dass man schon nach weniger als einem halben Tag wieder mobil ist.

Im europäischen 220 Volt-Netzwerk reichen sogar 90 Minuten oder eine verlängerte Mittagspause für den elektrischen Tankstopp. Während man bei uns schon einen umweltfreundlichen Arbeitgeber und daheim eine Garage haben muss, damit man den Wagen überall aufladen kann, geht das in Tokio relativ leicht: Immerhin stehen in der japanischen Hauptstadt schon über 100 öffentliche Stromtankstellen.

Wie schon im normalen Prius hilft dem Fahrer beim Sparen auch ein intelligenter Bordcomputer. Er zeigt nicht nur den Energiefluss und die Reichweite in der entsprechenden Betriebsart. Sondern er führt auch Buch über das Umweltverhalten des Fahrers und pflanzt für jeden elektrischen Kilometer virtuelle Bäumchen in einen blühende Bildschirmlandschaft.

Nachdem Toyota den Steckdosen-Prius nun über 10 Millionen Kilometer in allen Klimazonen und natürlich vor allem daheim in Tokio auf Herz und Nieren getestet hat, kommen nun die ersten Autos in Kundenhand. Allerdings kann den Plug-In-Prius niemand kaufen, sondern nur als Flottentestwagen leasen. Und auch dafür braucht man bei gerade mal 200 Autos für Europa viel Glück oder gute Argumente.

Da spielt auch Geld keine Rolle, selbst wenn das Auto mit Plug-In-Technik wohl mindestens 5000 bis 10.000 Euro mehr kosten würde. Denn in größeren Stückzahlen sind Lithium-Ionen-Akkus einfach noch nicht verfügbar. Deshalb stellt sich – zumindest in dieser Generation – auch nicht die Frage nach der Großserie. Doch vielleicht schon zur Modellpflege in zwei, drei Jahren oder spätestens beim Wechsel in die vierte Generation sieht das sicher ganz anders aus.