Ob sich auch Ruß in die kilometerlangen Staubfahnen mischt, wenn ein VW Race Touareg mit seinem Dieselmotor einmal richtig aufdreht? Und wenn schon, Umweltzonen sind in der Atacama-Wüste noch nicht eingerichtet, und die Geschichte dieser Dakar, zum ersten Mal in Südamerika ausgerichtet, ist auch nicht die der Feinstaubproblematik. Es ging um eine Klarstellung: Dieselmotoren können überlegen sein im Motorsport.

Seit der ersten Etappe hatten sich Rallye-Boliden mit Dieseltriebwerken an die Spitze gesetzt und sollten diese bis zum Zieleinlauf gestern in Buenos Aires nicht mehr abgeben. Zunächst erkämpften sich der katarische Pilot Nasser Al-Attiyah und seine schwedische Beifahrerin Tina Thörner Platz eins mit einem BMW X3CC. Doch dessen Motor bereitete dem Fahrerduo Kummer, weshalb Al-Attiyah auf der sechsten Etappe mehrere Wegepunkte ausließ und disqualifiziert wurde. Danach war der Weg frei für VW mit seinen Race-Touareg, alle von TDI-Motoren angetrieben.

Als die Dakar noch jung war, wäre es abwegig gewesen, Siegeswillen und Ölbrenner zu kombinieren. Im ersten Jahr gingen aber auch noch keine Werksteams an den Start. Das Rennen, das am 26. Dezember 1978 erstmals gestartet wurde, gestaltete sich als Lustreise von Motorsportfanatikern, die alle denselben Spirit atmeten: Nicht Platzierungen und Zeiten standen im Vordergrund, sondern Abenteuerlust und Selbsterfahrung.

An die Startlinie historischer Dakar-Rallyes rollten so originelle Fahrzeuge wie eine Ente mit Vierradantrieb oder auch mal ein Rolls-Royce. Den Citroën CX von Jackie Ickx, der eigentlich Formel-1-Pilot war, und dem Schauspieler Claude Brasseur unterschieden von der Straßenversion äußerlich nur Kuhfänger und ein paar Aufkleber. Die Dakar war immer auch Schaubühne: Albert und Caroline von Monaco traten an, auch der Sohn Maggie Thatchers. "All das ist heute nicht mehr denkbar“, sagt Sven Quandt, Besitzer des von BMW unterstützten X-Raid-Teams, das an der Dakar mit sechs X3 vertreten war – alle bestückt mit 291 PS starken Dreiliter-Dieselmaschinen, die 640 Newtonmeter Kraft freisetzen.

Schon 1980 begann so etwas wie eine Professionalisierung, als etwa Volkswagen, Lada, Yamaha und BMW mit eigenen Teams einstiegen. VW siegte mit einem Serienauto, dem lange Zeit von der Bundeswehr geschätzten Geländewagen Iltis. Peugeot und Citroën setzten in den folgenden Jahren hochgerüstete Rallyeversionen von Straßenwagen ein und heizten den Technikwettlauf an, was sich je in einer Siegesserie bemerkbar machte.

1990 stieg erst Peugeot aus der Dakar aus, 1996 folgte Citroën. "Da blieb die Technik erst mal stehen, und es ging nicht immer weiter, weiter und weiter“, sagt Quandt. Er kennt noch die Zeiten, da Amateure eine Chance hatten. Quandt selbst fuhr das Rennen sieben Mal und erreichte in der Klasse der seriennahen Fahrzeuge 1994 den dritten Platz. 2002 gründete er sein X-Raid-Team, vorher war er Motorsportchef bei Mitsubishi.

2004 ging VW zum ersten Mal mit einem Race-Touareg an den Start, die Mission Diesel begann. "Als VW kam, ging es wieder los“, meint Quandt über den neuen Ausbruch der Materialschlacht. Heute folgt bei den großen Teams je ein Service-Lkw einem Rennwagen. X-Raid führte 20 Tonnen Ersatzteile und Reifen mit sowie 300 Felgen für sechs Rennwagen; die Konkurrenz von VW hatte für ihre vier Race-Touareg mehr als 50 Tonnen im Gepäck. Der Treibstoff aber wog weniger als bei der Benzinkonkurrenz.

"Wir haben ein niedrigeres Startgewicht, weil wir weniger Kraftstoff mitnehmen“, sagt VW-Motorsportchef Kris Nissen. Der Gewichtsvorteil gegenüber einem Rallyekonkurrenten mit Ottomotor betrage bis zu 200 Kilogramm, was sich in Beschleunigung und Höchsttempo bemerkbar mache. Zudem biete der 2,5 Liter große Doppelturbomotor mit 280 PS und 600 Newtonmetern, wie er im Touareg zum Einsatz komme, ein breiteres Drehmomentband als ein Benziner: "Der Motor zieht voll durch – ab 1500 Umdrehungen bis 4800.“

Zwar dreht ein Benziner höher und ruft am Ende auch mehr Leistung ab – doch Robby Gordon mit seinem Benzin-Hummer war in der Spitzengruppe nicht mehr als die Ausnahme, die die Regel bestätigte. Selbst Mitsubishi, von 2001 bis 2008 Seriensieger mit einem benzingetriebenen Pajero, hat auf Diesel gewechselt, nur mochte der neue Racing Lancer nicht recht laufen. Sven Quandt sah "Riesenprobleme“ beim ehemaligen Arbeitgeber, da Mitsubishi keine Dieselexperten im Team habe und fast ausschließlich auf zugelieferte Technik setze.

Doch das kann im nächsten Jahr schon wieder anders aussehen. Der Diesel aber ist aus dem Langstreckensport nicht mehr wegzudenken. Auch bei den Sportwagen, die die 24 Stunden von Le Mans austragen, siegt nur, wer einen Dieselmotor an den Start bringt. Audi beherrscht die Konkurrenz, Peugeot hat aufgeschlossen, danach kommt lange nichts. Auf der asphaltierten Straße ist es nicht das Gewicht, das die Dieselrenner überlegen macht, sondern die Fahrzeit: Sie schaffen mehr Runden pro Tankfüllung und müssen seltener an die Box.