Mit Kalkül war das Auto gewählt. Denn Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte für seinen Berliner Auftritt zwecks Gesprächen über die mögliche Fusion des italienischen Autobauers mit Opel und Chrysler eine große Auswahl an „Dienstfahrzeugen“. Seine Wahl fiel aber weder auf den aktuellen Opel Insignia noch auf Chryslers statusträchtigen 300C. Aus seinem eigenen Unternehmen hätten auch Lancia, Alfa Romeo und Ferrari das passende Gefährt stellen können. Doch der Boss gefiel sich im Viertürer von Maserati, der ihm vom Berliner Händler Scuderia zur Verfügung gestellt wurde.
Mit der Luxuslimousine, die 2003 erstmals vorgestellt und mittlerweile zur Modellfamilie erweitert wurde, spielt Maserati ganz, ganz oben mit – und zwar erfolgreich. Das Auto hat in den letzten fünf Jahren 46 internationale Preise und Auszeichnungen bekommen und wurde gut 15.000 Mal verkauft – bei einem Basispreis von immerhin 114.320 Euro. Das Modell S, dem Marchionne am Montag vor dem Bundeswirtschaftsministerium entstieg, beginnt gar bei 123.350 Euro.
Dafür bekommt der Quattroporte-Fahrer einen 4,7-Liter-Motor V-8-Motor, der satte 430 PS leistet. Die elegante, von Pininfarina gestaltete Form mit mächtigem, aber nicht wie etwa beim Chrysler 300C, bullig-klobigem Kühlergrill, gilt als modernes Sinnbild der im Maserati-Mutterland geborenen Fahrzeugtypen „Gran Turismo“.
Der für seine handwerkliche Finesse berühmte Hersteller spricht beim Quattroporte gern von der Idee der zwei Seelen, die das Auto kennzeichnen: luxuriöser Komfort und sportliche Dynamik, sanftes, aber keineswegs langsamen Dahingleiten. Dafür beschleunigt der S in 5,4 Sekunden von 0 auf 100 und garantiert auch bei einer Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h komfortables Reisen.
Die Sechsgang-Automatik besitzt zahlreiche Merkmale, die den Quattroporte von herkömmlichen Artgenossen unterscheiden. So erlaubt es Gangwechsel bei bis zu 7.200 U/min, ohne – wie sonst üblich – die Drehzahl für den Schaltvorgang vorher zurücknehmen zu müssen. Passend dazu lässt sich das Getriebe in unterschiedlichen Modi betreiben, etwa in „Sport“ oder „Ice“. Während erstgenannter den Schaltzeitpunkt zu höheren Drehzahlen hin verschiebt und damit eine noch dynamischere Fahrweise im Automatikbetrieb zulässt, reduziert zweitgenannter das Drehmoment für sicheres Fahren bei wenig Grip, etwa auf Eis, Schnee und Schotter.
Bei der Innenausstattung hat der Maserati-Kunde die Qual der Wahl aus einer Vielzahl von Hölzern (z. B. Starwood, Vavona und Polished Wengè), Ledersorten und -farben (von Poltrona Frau). Eine Klimaautomatik gehört genauso zum Serienumfang wie elektrisch verstellbare Vordersitze (mit Memory-Funktion für den Fahrersitz), ein GPS-Navigationssystem mit 30 GB-Festplatte, CD-Spieler mit quadrofonischem Sound System von Bose, Sprachbedienung, ein Touchscreen, der bereits vor der Berührung den herannahenden Finger erkennt und den Bildschirmausschnitt zur einfacheren Bedienung vergrößert, ein Bluetooth-und ein USB-Anschluss.
Optional gibt es zudem ein Dachhimmel in Alcantara, herausklappbare Tabletts an den Lehnen der Vordersitze aus Edelholz, seitliche Jalousien, eine Klimaanlage für den Fond sowie elektrisch einstell- und beheizbare Fondsitze mit Massage- und Ventilationsfunktion.
Kurzum, das Auto, mit dem der Fiat-Chef seine Berliner Gastgeber zu beeindrucken suchte, ist ein Aushängeschild italienischer Extravaganz. Bleibt die Frage, ob und wie das den Charakter seines Besuchs prägen konnte.
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