Norbert Reithofer versucht es, man merkt es ihm an. Aber er schafft es dann doch nicht. Wie so viele BMW-Mitarbeiter mit bayerischem Geburtsort bringt auch der Vorstandsvorsitzende das Wort "Siebener" nicht als "Sie-be-ner" über die Lippen. Er sagt erst zweimal "Siebmer“ in seiner Rede, und dann bricht sich der BMW-Slang vollends Bahn: "ßiemer“.

"ßiemer“ ist wie "mir san mir“, "ßiemer“ ist selbstbewusstes Stehen zur eigenen Besonderheit, und hier in München kann man sich diese Haltung leisten. Das prunkvolle Auslieferungszentrum BMW-Welt wurde dieses Jahr eröffnet, das Museum renoviert, und nun feiern sie ihr neuestes Auto, eben den 7er.

Preziosen aus der Vergangenheit sind nicht zu sehen, die Gäste werden in einen abgeteilten Bereich des Museums geführt und sollen sich allein auf das neue, ab November erhältliche Modell konzentrieren. Trotzdem vergisst Reithofer nicht, auf die mehr als 90-jährige Tradition seines Unternehmens hinzuweisen: "Dieses Privileg besitzen nicht viele.“ Bei solchen Seitenhieben auf Lexus und andere Emporkömmlinge mögen Autokenner nach innen lächeln. Der Kundschaft aber, das zeigt das Elend von General Motors, ist eine ruhmreiche Vergangenheit im Zweifel egal.

Wer als Käufer eines BMW 7er infrage kommt, hat vielmehr konkrete Wünsche an Technik und Design – beim Vorgängermodell war vor allem die Gestaltung ein großes Thema. "Alles, was wir kritisiert haben, ist jetzt weg“, sagt ein Premierengast beim Anblick des neuen Modells. In der Tat wirkt das Heck nicht mehr aufgesetzt, den Scheinwerfern fehlen die Tränensäcke.

Christopher Bangle aber ist immer noch da. Der viel gescholtene Designer ist sogar aufgerückt in der Hierarchie, er ist nun Chef aller Gestalter von BMW, Mini und Rolls-Royce."Das war eine interessante Reise“, sagt Bangle zu den Anfeindungen gegen den jetzt noch aktuellen 7er. Die Gegner nutzten die modernen Formen der Meinungsäußerung: nämlich anonym und verletzend via Internet. Eine ihrer Forderungen war, BMW mit "Bangle muss weg“ zu übersetzen.


Doch der Entwurf des Amerikaners war ein Erfolg. 320.000 Exemplare wurden abgesetzt, mehr 7er war nie, seit BMW 1976 mit dieser Baureihe begonnen hat. Das liegt zum Teil am gewachsenen Wohlstand in der Welt, aber auch an der Ausrichtung des Designs auf amerikanischen und asiatischen Geschmack. "USA, China, Deutschland“, sagt Entwicklungsvorstand Klaus Draeger, wenn er die wichtigsten Märkte für den 7er nennen soll. Jedes zweite Modell werde nach Nordamerika oder ins Reich der Mitte exportiert. "In China liegen wir sogar vor der S-Klasse.“

Damit dieser Erfolg auch in Europa gelingt, haben Draeger und seine Mannschaft beim 7er keinen Stein auf dem anderen gelassen. Motoren, Fahrwerk und die ganze Elektronik: alles neu. Draeger schwärmt besonders von der "integralen Aktivlenkung“, die – gegen Aufpreis – Sicherheit und Komfort auf ein höheres Niveau hebe. Die Hinterräder des neuen 7er schlagen bei geringem Tempo leicht gegenläufig ein, sodass der Wendekreis um 70 Zentimeter kleiner wird. "Und Sie fahren nicht mehr mit dem kurveninneren Hinterrad über den Bordstein“, sagt Draeger.

Doch ums Rangieren geht es in einem BMW nicht allein. Um den Gewinn bei schnellerer Fahrt zu demonstrieren, legt sich der Entwicklungschef eine zusammengefaltete Serviette auf die Hand und bewegt sie schräg vorwärts. "Das Nachschlagen des Hecks beim Spurwechsel wird abgemildert, weil die Hinterräder nun in dieselbe Richtung drehen wie die Vorderräder.“ Gerade für hinten sitzende Fahrgäste, die arbeiten müssten, sei das ein Komfortgewinn, da sie weniger hin- und hergeschaukelt würden.

Nun ist eine Allradlenkung nicht neu. Honda hat das schon gemacht, Renault tut es gerade. Draeger aber reklamiert Vorteile für BMW, weil im 7er die Fahrwerkselektronik vernetzt sei. Die seitliche Bewegung der Hinterräder geschehe abhängig von der Fahrsituation. Darum verhalte sich der riesige Wagen auch bei Ausweichmanövern handlicher und berechenbarer.

Der neue BMW 7er startet bei 69.500 Euro

Insgesamt soll der neue 7er, der 69.500 bis 94.000 Euro kosten wird, komfortabler fahren als eine Mercedes S-Klasse und agiler als ein Audi A8. Eine Einschätzung, die auf einer BMW-Veranstaltung nicht überrascht. Aber es muss auch so sein: Ein neues Auto in der Oberklasse, das die Maßstäbe nicht neu setzt, wäre Zeugnis des Versagens.

Ein neuer Maßstab war 2001, als der Vorgänger präsentiert wurde, auch das Bediensystem iDrive. "Damals wurde es von einigen Experten auch kritisch gesehen“, sagt Vorstandschef Reithofer, und das ist eine wirklich hübsche Untertreibung. Viele Kunden haben iDrive verflucht, manche sogar die Marke gewechselt. Audi und Mercedes haben sich das Desaster in Ruhe angesehen und dann ähnliche, leichter bedienbare Lösungen geschaffen.

Das iDrive im neuen 7er aber lässt sich tatsächlich intuitiv bedienen. Ob Navigation, Telefon, Fernsehen oder die Abspielliste der Musikstation: Alles ist schnell eingestellt, auf dem zehn Zoll großen Monitor bauen sich Bilder blitzartig auf. Zudem ist voller Internet-Zugang zu haben, für den Fahrer nur im Stand, für Fondpassagiere auch, wenn das Auto fährt. Über den Mobilfunkstandard EDGE lassen sich Webseiten abrufen, schnellerer Zugang via UMTS kommt möglicherweise in der Zukunft. Viele Funktionen des 7er sind in der Werkstatt aufzurüsten, wenn BMW Updates der Software freigibt.

Trotzdem bleibt die Hardware das Herz eines Autos. Wer Klaus Draeger dabei zusieht, wie begeistert er die neuen Motoren preist, will von Internet und iDrive nichts mehr wissen. Drei neue Triebwerke sind im Angebot: Dem Achtzylinder im 750i stehen statt 4,8 nur noch 4,4 Liter Hubraum zur Verfügung, dafür hat er 407 statt 367 PS. Und der 740i wechselt vom V8 auf einen drei Liter kleinen Sechszylinder mit zwei Turboladern. Bei 326 PS verbraucht er nach Norm 9,9 Liter, der Sechszylinder-Diesel im 730d (3,0 l Hubraum, 245 PS) ist gar mit 7,2 Litern zufrieden. BMW plant außerdem einen 7er mit Hybridantrieb.

Gleichzeitig wird es das Auto wieder mit Zwölfzylindermotor geben, wofür laut Klaus Draeger aber nicht die deutschen Kunden verantwortlich sind: "Auf dem russischen und asiatischen Markt ist ein Zwölfzylinder ein klares Statussymbol.“