Oben ohne

Kein Cabrio ist preiswerter als der Fiat 500

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Thomas Geiger

Foto: Fiat

Niedlich, süß, knuffig: Fiats Cinquecento ist in seiner Neuauflage ein absoluter Herzensbrecher. Nun kommt er als definitiver Cabrio-Preisbrecher auf den Markt. Doch so charmant die Knutschkugel auch ist: Bei einer Probefahrt wird klar, dass dem günstigen Preis einiges an Komfort geschuldet ist.

Kaum einem Auto ist in den letzten Jahren mehr Sympathie entgegen geschlagen als dem Fiat 500. Denn mit ihrem liebevollen Retro-Design ist die Knutschkugel aus Italien direkt in die Herzen der Deutschen gefahren und hat ähnlich viel Wirbel verursacht wie die Abwrackprämie. Damit die Begeisterung anhält, bringt Fiat gerade noch rechtzeitig für ein paar laue Spätsommertage den Kleinen oben ohne. Dabei zielt das Cinquecento Cabrio besonders auf preisbewußte Freunde des offenen Fahrens: Mit einem Grundpreis von 13.800 Euro ist es das derzeit preiswerteste viersitzige Cabrio überhaupt.

Ein Open-Air-Modell im klassischen Sinne ist der offenherzige Kleinwagen allerdings nicht. Sondern genau wie beim Original aus den Fünfzigern gibt es auch für die Neuauflage nur ein großes Faltdach, das ähnlich wie beim Smart oder beim Citroen C3 Pluriel auf Knopfdruck zwischen den Dachholmen nach hinten gleitet. Natürlich sitzt man darin nicht so luftig wie in einem offenen Mini oder im Peugeot 207CC. Doch dafür kann man das Dach auch während des Fahrens öffnen, der Kofferraum wird nicht geschmälert und die Frisur bleibt bei geschlossenen Seitenfenstern halbwegs in Schuss. Außerdem drückt das den Open-Air-Zuschlag auf 2800 Euro.

Obwohl das Cabrio mit spitzem Stift kalkuliert ist, haben die Italiener die Liebe zum Detail nicht vergessen: Deshalb gibt es natürlich eine Heckscheibe aus Glas. Die dritte Bremsleuchte ist so im Dach eingesetzt, dass man sie auch bei offenem Verdeck gut sehen kann. Und damit der Wagen auch immer hübsch aussieht, kann man die Haube wahlweise in Rot, Schwarz oder Elfenbein bestellen.

So charmant der Cinquecento mit freiem Blick zum Himmel auch sein mag gibt es ein paar Mängel in der B-Note.

Die Übersicht geht vor allem nach hinten gen Null, die Kopffreiheit ist bei geschlossenem Dach bescheiden, und dass jenseits von 60 km/h die Verdeckmechanik das letzte Drittel des Weges verweigert und nur bis zur hinteren Dachkante öffnet, ist nicht mehr zeitgemäß. Das gilt übrigens auch für das gegen Aufpreis erhältliche Navigationssystem, das auf dem Instrumententräger thront wie ein iPod-Pilz und mehr Rätsel als Routen parat hat.

Unter der Haube bleibt auch beim Cabrio alles beim Alten: Den Herzensbrecher verkaufen die Italiener deshalb wahlweise mit ihrem 75 PS-Diesel oder den beiden Benzinern mit 69 und 100 PS. Damit schafft der Cinquecento im besten Fall 182 km/h und ist im günstigsten mit 4,2 Litern zufrieden. Und natürlich gibt es fürs gute Gewissen und die frische Luft auch die neue Start-Stopp-Automatik, mit der man im Stadtverkehr bis zu 0,7 Liter spart.

Mit dem Cabrio haben die Italiener eine neue Zugnummer, die den Lifestyle-Flitzer auch bei wachsender Konkurrenz in den Schlagzeilen hält. Doch weiß Fiat sehr wohl, wie kurzlebig solche Moden sein können.

Deshalb ist die Modellpalette mit der Open-Air-Version noch lange nicht komplett. Ein Blick ins Fiat-Firmenarchiv reicht, um in den Annalen bereits die nächsten Varianten zu entdecken: Den kleine Kombi Giardiniera zum Beispiel.