Tuning

Tesla Brabus – Elektroauto röhrt mit V8-Sound

Auch Elektroautos können richtig hochgestylt werden. Das beweist Tuningexperte Brabus. Er hat den Tesla Roadster, einen Elektrosportwagen, aufgemotzt. Die Veredelung beschränkt sich jedoch auf das Äußere und den Sound. Denn obwohl der Wagen von Batterien angetrieben wird, kann er röhren wie ein V8.

Elektroauto und Tuning – geht das? Die Antwort heißt: scheinbar ja! Dass sich ausgerechnet Bodo Buschmann, schwergewichtiger Chef der durch die Veredelung von Mercedes-Modellen zum weltgrößten Tuningbetrieb aufgestiegenen Firma Brabus als Erster des Themas annimmt, entbehrt nicht einer gewissen Überraschungseffekts. Doch schon mit seinem Tuningprogramm für den smart hat der 53jährige Vollblutunternehmer aus Bottrop bewiesen, dass er neben einem Maybach oder einem SLR auch kleine Autos mit viel Spürsinn für richtige Trends aufpeppen kann.

Auf der am Freitag startenden 41. Essen Motor Show verblüfft der Buschmann nun mit dem ersten getunten E-Auto. Als Basis dient ihm der Tesla Roadster, der in Kalifornien gebaut und ab Mai nächsten Jahres zum Preis von 99.000 Euro auch nach Deutschland kommen soll. In den USA sind schon über 50 Exemplare des auf einem modifizierten Lotus Elise basierenden Zweisitzers ausgeliefert. Zu den prominenten Erstkunden gehörten Gouverneur Arnold Schwarzenegger und Hollywood-Mime George Clooney.

Mehr Spannung aus den hinter den Passagieren untergebrachten Lithium-Ionen-Batterien hat die Brabus-Crew aber nicht mobilisiert. Das Veredelungsprogramm umfasst vielmehr neue Anbauteile, Felgen und – als Gag schlechthin – einen Space Sound Generator. Damit kann die Crew an Bord je nach Gusto zwischen vier verschiedenen Motorgeräuschen wählen. Simuliert werden neben einem tiefen V8-Sound das Geräusch eines Rennwagens sowie zwei an Raumschiff Enterprise erinnernde Klangbilder namens Beam und Warp. Je mehr Leistung der E-Motor des Tesla abgibt, desto intensiver wird das virtuelle Klangbild.

"Elektroautos geben außer einem leichten Surren des E-Motors normalerweise keine Geräusche von sich. Das kann an Zebrastreifen zu gefährlichen Situationen mit Fußgängern führen“, sagt Jörn Gander, bei Brabus verantwortlich für das Tesla-Projekt. Der Klangteppich wird über zwei im Kofferraum montierte Mitteltöner und einen Tieftöner erzeugt. Wo sonst eine dicke Auspuffanlage am Heck ihre Musik nach draußen trompeten würde, dringen beim Brabus-Tesla 70 Prozent des produzierten Klangvolumens an die Umwelt. 30 Prozent werden zur Unterhaltung des Fahrers nach innen geführt.

Während drei der vier Sounds synthetisch mit Hilfe von Synthesizern erzeugt wurden, nahmen Soundmanager für das V8-Timbre eigens Sequenzen eines echten Achtzylinders auf. "Der künstliche Ton konnte uns nicht überzeugen, das hörte sich an wie auf einer Playstation von 1998“, so Gander.

Neben dem Sound-Tuning wertet Brabus den Tesla auch optisch auf. Auf gewichtsoptimierte Monoblock-Felgen der Größen 7x18 für vorne und 8,5x19 für hinten werden Reifen der Formate 215/35 ZR 18 und 255/30 ZR 19 gezogen. Die Optik des 210 km/h schnellen E-Flitzers (Reichweite 390 Kilometer) gewinnt durch eine mattweiße Sonderfarbe, eine neue Frontschürze mit Carbon-Lippe sowie mattweißen Einfassungen für die Frontscheinwerfer. Die Einstiegsbereiche werden bei Nacht durch futuristische Space Lights ausgeleuchtet – mal sehen, was der deutsche TÜV dazu sagt. Am Heck sorgen ein Spoiler und ein Diffusor aus Kohlefaser für eine sportive Optik.

Ein Brabus-Tesla kostet 128.000 Euro

Im Innenraum des 1240 Kilo leichten Tesla verlegte die hauseigene Brabus-Sattlerei eine Kombination aus weichem und strapazierfähigem Leichtleder in perforierter Ausführung und Alcantara. Passend zur Außenfarbe ist alles mit weißen Nähten zusammengefügt.

Mit diesem für ihn nicht untypischen Überraschungs-Coup lotet Bodo Buschmann ein mögliches neues Geschäftsfeld aus. "Ich bin davon überzeugt, dass Elektroautos zumindest in Städten bald zum Straßenbild gehören“, sagt der nebenamtlich auch als Präsident des Verbandes der Automobiltuner (VDAT) amtierende Brabus-Boss.

Schon denkt er über eine Sonderserie und ein individuelles Tuningprogramm nach. Zwei Tesla-Manager waren bei der Vorabpräsentation in Essen dabei und strahlten auf die Frage nach möglichen Kooperationen mit Buschmann um die Wette. Man kennt sich gut, liegt doch Brabus Nordamerika in Newport Beach bei Los Angeles nur einen Steinwurf vom Tesla-Sitz entfernt.

Autos zum Veredeln gäbe es genug: Von den für 2009 geplanten 250 Roadstern sei laut Tesla-Verkaufsdirektor Craig Davis bereits die Hälfte verkauft. 2010 wolle man die Produktion auf 1800 erhöhen, wovon die Hälfte für Europa reserviert sei. Ein Brabus-Tesla könnte für 128.000 Euro in der Liste stehen – inklusive Soundberieselung.

Auf die Frage, ob er denn keinen Widerspruch darin sehe, den umweltfreundlichen Sportwagen neben eine 730 PS starke Brabus-S-Klasse zu stellen, antwortet Buschmann: "Wir haben genügend solvente Kunden – die kaufen beide Autos!“ Vorsorglich hat Buschmann ein neues Logo für Brabus Zero Emission-Fahrzeuge entwerfen und schützen lassen: Einen Brabus-Schriftzug mit stilisiertem Blitz.