Neuartiger Hybridantrieb

Dieser Porsche 911 bekommt harte Stromschläge

Erfahrungen mit einem elektrischen Weidezaun hat fast jeder in der Kindheit gemacht: Nie hat man sich schneller bewegt, als nach einem kleinen Stromschlag. Auf einen ähnlichen Effekt baut jetzt auch Porsche mit einem neuartigen Hybridantrieb für den 911 GT3. Er funktioniert allerdings völlig schmerzfrei.

Auch bei Porsche hat Elektro-Power jetzt Konjuktur. Während die Schwaben im Gleichschritt mit der Konzernmutter VW den nächsten Cayenne ganz konventionell mit Batterien und einem E-Motor im Getriebe zum Teilzeitstromer umrüsten, nutzen sie für den zum Genfer Salon versprochenen 911 GT3 R Hybrid ein Schwungrad als Energiespeicher. Das kleine Kraftwerk wandelt kinetische in elektrische Energie um und versorgt damit die beiden jeweils 98 PS starken Elektromotoren an der Vorderachse.

Das gibt dem Rundstrecken-Rennwagen den entscheidenden Kick beim Überholen oder beim Beschleunigen aus der Kurve heraus. Allerdings ist der elektrische Nachbrenner nur von kurzer Dauer: Während der Cayenne mehrere Kilometer mit Strom fahren kann, reicht es beim GT3 nur für sechs bis acht Sekunden. Und auch der Verbrauchsvorteil wird kaum messbar sein.

Für ihren Geländewagen dagegen stellen die Schwaben ein Sparpotenzial von 20 Prozent und damit einen Verbrauch um acht Liter in Aussicht. Die Schwungradtechnik wurde eigens für den Rennsport entwickelt und war im letzten Jahr in ähnlicher Manier auch bei einigen Formel-1-Teams für das Kers-System in der engeren Auswahl.

Dabei wird mit dem beim Bremsen gewonnenen Strom über einen weiteren E-Motor, der in einer speziellen Trommel neben dem Fahrer schwirrt ein Rotor auf bis zu 40.000 Touren pro Minute beschleunigt.

Fordert der Fahrer elektrische Unterstützung an, bremst der zum Generator umgepolte E-Motor den Rotor wieder ab und produziert damit den Saft für die beiden Extra-Motoren auf der Vorderachse.

Porsche will das Prinzip nicht nur auf dem Messestand in Genf demonstrieren, sondern auch im harten Renneinsatz testen. Von Genf aus geht der Prototyp deshalb an den Nürburgring, wo er in diesem Jahr am 24-Stunden-Rennen teilnimmt.

Ganz anders als sonst haben die Schwaben dabei allerdings nur einen limitierten Ehrgeiz: „Ein Sieg des 911 GT3 R Hybrid steht dabei nicht im Vordergrund“, dämpft Porsche die Erwartungen.

„Vielmehr soll er als Technologieträger Erkenntnisse für die spätere Anwendung der Hybridtechnik in Straßensportwagen liefern.“ Gut möglich also, dass im Elfer bald noch mehr Schwung ist. Und zwar nicht nur auf dem Nürburgring.