Es ist der Preis des Patriotismus. Als Kanzler muss man immer Deutschland toll finden, auch wenn Amerika die besseren Filme produziert oder aus Italien schönere Schuhe kommen. Man darf nie seine Vorliebe für belgische Pommes frites beichten oder vom Fußball der englischen Liga schwärmen. Und natürlich muss man deutsche Autos fahren, dienstlich wie privat.

Ich habe nichts gegen deutsche Autos, aber ich habe etwas gegen diese Haudrauf-Heimatliebe. Gerhard Schröder, der Kanzler, der sich selbst Automann nannte, ist seinerzeit 50 Meter mit dem neuen VW Phaeton gefahren und hat dann gesagt: „Doller Wagen.“ Wem nützt das: VW, Schröder selbst oder dem Land Niedersachsen, dessen Ministerpräsident er war?

Oder Horst Seehofer aus Bayern. Der fährt jetzt zwei Dienstwagen, einen Audi A8 und einen BMW 7er. Gratulation, aber wenn das einzige Motiv für diese Entscheidung die Angst ist, einen der zwei Autohersteller in Bayern zu verprellen, dann kann mir so ein Regierungsjob gestohlen bleiben.

Wir sind ein freies Land, aber ein Ministerpräsident darf nicht sagen, dass er einen Audi zu modisch oder einen BMW zu barock findet oder umgekehrt. Ich kann mich auch noch an den Aufstand erinnern, als Kölns Oberbürgermeister Schramma von Ford auf Volvo wechselte. Inzwischen fährt er wieder Ford, aber vielleicht mag er am liebsten Mercedes oder VW. Wir werden es nie erfahren, denn ein solches Geständnis würde ihn sein Amt kosten – Volvo hat er gerade so überlebt, weil die Marke zu Ford gehört.

Nein, über so etwas möchte ich mir keine Gedanken machen müssen. Schließlich wäre ich als Kanzler der mächtigste Mann im Land. Da müsste ich fahren können, was ich will, und niemand dürfte mir in diese Entscheidung hineinreden.

Hauptsache, es ist ein Kombi, sagt gerade meine Frau.