Beim Einatmen sticht es in der Brust, beim Ausatmen kommen dicke Wolken zum Vorschein. Die Finger sind klamm, die Ohren glühen, und die Zehen verlieren langsam das Gefühl – es ist bitterkalt hier oben am Polarkreis, nahe dem finnischen Rovaniemi. Doch dort, wo man sich sonst um diese Jahreszeit nur im Thermoanzug vor die Tür traut, sind ein paar Ingenieure im offenen Sportwagen unterwegs. Während ihr Arbeitgeber BMW auf der Messe in Detroit das Tuch vom neuen Z4 zieht, treten sie bei Temperaturen tief unter null Grad Celsius den Beweis an, dass auch ein Roadster als Ganzjahresauto taugt. Nicht umsonst bekommt der Zweisitzer diesmal statt eines klassischen Stoffverdecks eine versenkbare Haube aus Aluminium.

Natürlich nennt Projektleiter Werner Kleeberger für den Wechsel zum Klappdach viele Gründe, von der Aerodynamik bis hin zum besseren Gefühl der subjektiven Sicherheit. Doch ein Argument für den Abschied vom Stoffverdeck ist für ihn insbesondere das Fahren bei widrigem Wetter. „Das Raumklima bleibt stabil. Bei einem Stoffdach hingegen kann im Winter der Eindruck von Feuchtigkeit eintreten“, sagt der Projektleiter.

Zwar wirkt der Roadster trotz seiner gut zehn Zentimeter zusätzlicher Länge und der spürbar größeren Türen ein wenig eng, wenn man mit voller Wintermontur in die tiefen Sitze gleiten will. Doch sobald man seinen Platz gefunden hat, der Sicherheitsgurt den Kleiderberg bändigt und das Rauschen der Klimaautomatik einsetzt, verliert der Winter seinen Schrecken. Zudem genieße man bessere Aussichten und mehr Freiheiten, sagt Kleeberger: „Das Raumgefühl ist dank schlanker C-Säule und großer Seiten- und Heckscheiben sehr angenehm."

Nur vom Geräuschvorteil des Hardtops merkt man zumindest im Prototyp noch nichts: Zwar spürt man auch bei hohem Tempo weder einen Luftzug, noch wird es irgendwo klamm oder gar feucht. Doch das Dach dröhnt auf den rauen Eispisten am Polarkreis. Mag sein, dass es unter einer Stoffmütze noch lauter gewesen wäre, zweifelsfrei feststellen lässt sich hier nur: Ein festes Dach dämmt auf jeden Fall besser.

Aber lange währt das Dröhnen ohnehin nicht. Schließlich ist der Z4 Coupé und Roadster in einem, und auch wenn wohl die wenigsten Kunden ohne Dach durchs Eis rollen werden, müssen die Entwickler selbst bei diesen widrigen Bedingungen das Verdeck testen. Also rollt der kaum noch getarnte Sportwagen irgendwann auf einen einsamen Parkplatz, und der Finger landet am Schalter auf dem Mitteltunnel – denn das Z4-Dach kann nur im Stand bedient werden. Technisch würde das zwar auch im Stadtverkehr oder zumindest bei Schritttempo funktionieren.

„Doch laut geltendem Gesetz darf sich ein Verdeck während der Fahrt nur dann öffnen und schließen lassen, wenn der Blick auf das hintere Kennzeichen und auf die dritte Bremsleuchte durch diesen Vorgang nicht beeinträchtigt wird“, erklärt BMW-Entwickler Kleeberger. Und das geht nicht bei Klappdachcabrios. Gerade einmal 20 Sekunden dauert es, bis die Dachschale aus Aluminium unter dem großen Heckdeckel verschwindet. Und wo andere Cabrios für diesen Komfort ein breites Hinterteil brauchen, bleibt der Z4 halbwegs schlank und zierlich – obwohl das Fassungsvermögen des Kofferraums gegenüber dem Vorgänger sogar um 50 Liter gewachsen ist. Als Coupé schluckt der Zweisitzer nun 310, und als Roadster immerhin noch 180 Liter.

Dass die Hydraulik zu jeder Jahreszeit klaglos arbeitet, haben die Ingenieure in Lappland hinreichend erprobt. Daneben wurden vor allem die Funktionsbereitschaft und die Dichtigkeit aller relevanten Teile überprüft. Dazu zählen auch der Schwalltest in einer Waschstraße oder ein Salzsprühnebeltest. „Und auch unter einer Schneelast von 100 Kilogramm pro Quadratmeter musste sich der Z4 bewähren“, berichtet Kleeberger.

Ob offen oder geschlossen – der Z4 macht bei den Abstimmungsfahrten in Rovaniemi eine gute Figur. „Wir haben die Kritik am Vorgänger aufgenommen und dem Wagen mehr Komfort, mehr Lenkpräzision, kurzum mehr Ruhe mit auf den Weg gegeben“, sagt Heinz Krusche, der bei BMW über die Fahrdynamik wacht und das letzte Wort hat über die Auslegung der elektronischen Regelsysteme. „Trotzdem bleibt der Z4 ein Sportwagen.“

Ein Beweis für die sportlichen Gene des Roadsters ist vor allem das neue Doppelkupplungsgetriebe, das BMW aus dem M3 übernimmt und als Option für den großen Sechszylinder anbietet. Mit 306 PS steht er bis zum Debüt der M-Version an der Spitze der Modellpalette, die vorerst drei Sechszylinder-Varianten umfasst und mit dem 204 PS starken Z4 23i für 35.900 Euro beginnt. Während das Getriebe seine Gänge so schnell wechselt, dass man Schaltvorgänge allenfalls am Drehzahlmesser ablesen kann, möchte der Wagen schneller davonschießen, als es die Winterreifen auf dem Eis zulassen. Deshalb können die Tester von Rekord-Sprintwerten derzeit nur träumen.