Zurück in die Zukunft, hieß es für Marty McFly in den achtziger Jahren im gleichnamigen Film-Erfolg. Für das Auto von morgen gilt das vielleicht auch. Schon zu Beginn des Automobils gab es Elektrofahrzeuge, und manche Herausforderung der Zukunft scheint nur im Spannungsfeld zwischen Batterien und E-Motoren zu meistern sein. Für Renaultchef Carlos Ghosn ist klar, dass ehrgeizige Klimaziele nur mit Unterstützung von emissionsfreien Elektrofahrzeugen zu schaffen sind. Nächstes Jahr kommt deshalb das erste serienreife E-Mobil der Franzosen auf den deutschen Markt – der Renault Fluence Z.E. Morgenpost Online konnte eine erste Ausfahrt in die nahe Zukunft mit dem Elektroauto durch das verstopfte Paris unternehmen.

Obwohl der Fluence Z.E. (Zero Emission) auf dem kompakten Mégane basiert, ist die Limousine stattliche 4,75 Meter lang und damit 13 Zentimeter länger als der Viertürer mit konventionellem Antrieb. Doch die Proportionen stimmen und der längere Kofferraum fällt kaum auf. Der musste sein, um ein Mindestmaß an Alltagstauglichkeit zu gewährleisten: Nun passt hinter dem auswechselbaren Batterie-Paket noch Gepäck mit einem Volumen von 300 Litern.

Der Radstand von 2,70 Meter bleibt indes gleich. So gesehen unterscheidet sich das Elektroauto kaum von der Limousine mit Verbrennungsmotor, die im September auf den deutschen Markt kommt. Lediglich die Sonderfarbe „Energieblau“, das blau schimmernde Renault-Logo, die geänderte Lampeneinfassung und modifizierte Lufteinlässe machen die Öko-Variante auf den zweiten Blick erkennbar.

Selbst im Innenraum bleibt das Aha-Erlebnis aus: Konventionelles Armaturenbrett mit Rundinstrumenten, Automatik-Wählhebel und ein Start-Stopp-Knopf. Lediglich die Energieanzeige in der linken Ecke der Instrumententafel, wo sonst der Drehzahlmesser sitzt, zeugt von der anderen Antriebsart. Beim genauen Blick auf die Automatik sind aber nur vier Fahrmodi vorhanden: Vorwärts, Neutral und Rückwärts, Parken – bei einem Elektroantrieb ist kein Übersetzungsgetriebe nötig, ein einziger Vorwärtsgang reicht deshalb.

Die ersten Meter im Stromer sind ungewohnt: Kein Motorengeräusch, aber dafür volles Drehmoment ab der ersten Umdrehung – ein sportlicher Kavalierstart ist mit dem Öko-Fahrzeug kein Problem. Was allerdings auch an der geänderten Gewichtsverteilung des Antriebsstranges liegen kann. Die Vorderachse mit dem 160 Kilogramm leichten E-Motor wird nur mit 212 Kilogramm belastet, während auf der Hinterachse 285 Kilogramm liegen. Durch eine weichere Feder-Dämpferabstimmung vorn und einer härteren hinten, versuchten die Ingenieure dieses Missverhältnis in den Griff zu bekommen. Die Aufgabe wurde nur zum Teil gelöst: Bei schnellem Antritt und in flott gefahrenen Kurven macht sich die fehlende Traktion bemerkbar. Für eine gemütliche Schleichfahrt ist das aber unerheblich.

In der verstopften Pariser Innenstadt schwimmt der Viertürer flüssig mit. Die fehlenden Verbrennungsgeräusche und Vibrationen werden in der Hektik des Berufsverkehrs schnell vergessen. Dafür kommen Abroll- und Windgeräusche deutlich zum Vorschein – so gesehen, vielmehr gehört, kann von einem lautlosen Fahren gar nicht die Rede sein. Eine Umstellung vom konventionellen Antrieb auf den Stromer muss man deshalb nicht fürchten.

Auch fällt der Blick keineswegs nervös auf die Reichweitenanzeige – mit einer Stromladung soll der Fluence Z.E. rund 160 Kilometer weit kommen. Für 87 Prozent der Europäer sollte das reichen, da sie täglich weniger als 60 Kilometer zurück legen. Neben der achtstündigen Vollladung über die Haus-Steckdose oder einer halbstündigen Schnellladung kann der 250 Kilogramm schwere Akkublock auch durch den Unterboden gewechselt werden. In Israel gibt es schon einige dieser Wechselstationen, für Europa sind sie zwar geplant, aber bei Markteinführung 2011 sicherlich noch nicht installiert.

Der Countdown der Reichweiten-Anzeige bleibt bei der weiteren Überlandfahrt erstaunlich träge. Grund ist die Rekuperation des Antriebs, die Bremsenergie in elektrische Energie zurückwandelt und wieder in die Batterie speist – ein Perpetuum Mobile wird daraus allerdings nicht.

Doch auch so macht die Fahrt Spaß, sogar auf Autobahnen. Der Z.E. wird auch hier keineswegs zum Verkehrshindernis und kämpft sich über die drei Fahrbahnen wacker zwischen den herkömmlich angetriebenen Artgenossen durch: Mit den maximal elektronisch begrenzten 135 km/h bleibt der Renault in Schwung. Ein futuristisches Pfeifen des bis 11.000 U/min drehenden Generators erweckt ein neuartiges Fahrerlebnis. So muss sich Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ gefühlt haben. Nur dass sein „Flux-Kompensator“ mit Plutonium befeuert wurde, um eine Leistung von 1,21 Gigawatt zu erzielen. Der Fluence Z.E. kommt dagegen mit 95 PS und 226 Nm Drehmoment aus, um der Zukunft entspannt entgegen zu fahren. Der Preis des Elektroautos steht allerdings noch nicht fest – könnte aber maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg des Konzepts entscheiden.

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