Spritverbrauch

Wie Autos der Mittelklasse zu Sparmobilen werden

Die Mittelklasse hat es zur Zeit nicht leicht. Ihr Marktanteil ist 2009 heftig geschrumpft, ihr Restwert sinkt überdurchschnittlich. Dabei muss man keinen vermeintlich sparsamen Kleinwagen fahren, um knausern zu können. Das zeigt nicht nur der neue BMW 3er als jüngster Sparkönig des Segments.

Im vergangenen Jahr ist der Anteil der Mittelklasse auf deutschen Straßen laut Kraftfahrt-Bundesamt um rund zehn Prozent geschrumpft. Der Restwert eines drei Jahre alter Mittelklassewagens ist im Vergleich zu 2008 laut Eurotax Schwacke gar um rund zwölf Prozent auf durchschnittlich 15.400 Euro gesunken.

Klar, mit durchschnittlichen Neupreisen weit jenseits der 25.000-Euro-Marke ist die Mittelklasse meist kein Schnäppchen. Doch viele dieser Autos erfüllen mittlerweile die Schadstoffnorm Euro 5 und sind so mitunter sparsamer als jene des Mini-Segments.

Jüngstes Beispiel ist der neue BMW 3er: Ein Auto mit 163 PS und einem Spitzentempo von 228 km/h – das wäre früher nicht nur ein heißer Trumpf im Autoquartett gewesen, sondern auch der beste Freund des Tankwarts. Im Autoquartett erntet man mit diesen Daten heute nur noch ein müdes Lächeln, dem Tankwart vergeht dafür die gute Laune – denn der neue BMW 320d mit dem sperrigen Namenszusatz Efficient Dynamics Edition soll bei dieser Leistung durchschnittlich nur 4,1 Liter Diesel verbrauchen.

Angeboten wird das Modell im Zuge der Modellpflege ab März als Limousine und Kombi. Bei aller Sparsamkeit soll die „Freude am Fahren“ aber nicht zu kurz kommen. Schließlich drückt BMW mit diesem Slogan seit Jahrzehnten den hauseigenen Anspruch aus: Autofahren ist mehr als das bloße Überwinden von Entfernungen, Autofahren soll auch Spaß machen.

Es staunten die Autokenner deshalb nicht schlecht, als ausgerechnet BMW vor rund zwei Jahren wie aus dem Nichts den Begriff Efficient Dynamics aus dem Hut zauberte. Ausgerechnet die Marke, deren Autos offenbar nur links funktionierende Blinker hatten, setzte auf Spritspartechnik und hängte die Konkurrenz statt auf der Autobahn nun bei den Verbrauchswerten ab. Heute bietet BMW Technik-Bausteine wie Start-Stopp-Automatik oder Bremsenergierückgewinnung bei mehr als 50 Modellen quer durch alle Baureihen an.

Inzwischen ist man damit zwar nicht mehr allein, aber BMW versucht den Vorsprung zu halten mit Autos wie dem neuen 320d Efficient Dynamics Edition, bei dem der Normverbrauch im Vergleich zum herkömmlichen 320d um 0,7 Liter reduziert wurde. Mit 4,1 Litern Diesel ist die Limousine nominell um 0,4 Liter sparsamer als der Audi A4 TDI e mit 136 PS, der Unterschied zum Mercedes C 220 CDI mit 170 PS beträgt 0,7 Liter.

Angeboten wird das Modell parallel zum regulären, jetzt 184 PS starken 320d. Beide Modelle kosten jeweils 34100 Euro, für den Kombi werden 1650 Euro Zuschlag fällig. „Wir wollen den Kunden die freie Wahl lassen, ob sie das Maximum an Dynamik oder an Effizienz wünschen“, begründet BMW-Sprecher Manfred Poschenrieder die Strategie. „Deshalb verlangen wir auch keinen Aufpreis für die Efficient Dynamics Edition“.

Erreicht wird die Spritersparnis bei der Edition durch Aerodynamik-Optimierungen, eine Fahrwerks-Tieferlegung, eine geänderte Motorauslegung, rollwiderstandsreduzierte Reifen und vor allem ein länger übersetztes Getriebe. Dadurch soll der Wagen so häufig wie möglich bei niedrigen und damit verbrauchsgünstigen Drehzahlen bewegt werden können. Wer den Spar-3er auf der Straße bewegt, bemerkt kaum etwas von den technischen Kniffen, mit denen die Ingenieure den 320d optimiert haben.

Der Wagen fährt unauffällig, zieht schon aus niedrigsten Drehzahlen kraftvoll durch und federt angemessen – Verzicht muss hier niemand üben. Damit hat BMW den Anspruch erfüllt, Sparen ohne Reue anzubieten und die Konkurrenz erneut herausgefordert.

Immerhin sind in Deutschland aber mittlerweile zehn Mittelklasse-Autos erhältlich, die weniger als fünf Liter verbrauchen. Neben den beiden 320d-Versionen hat BMW mit 316d (4,5 l/100 km) und 318d (4,7 l/100 km) zwei weitere Vertreter im Programm.

Der Volkswagen-Konzern steuert mit Passat 1.6 TDI Blue Motion, Audi A4 TDIe und Skoda Octavia 1.6 TDI Greenline drei Modelle bei, und Mercedes tritt mit dem C 220 CDI an. Mit Renault Laguna dCI 110 und Peugeot 407 HDi 110 können zudem zwei Autos aus Frankreich die Fünf-Liter-Marke knacken – Fortsetzung folgt ganz sicher.

Von außen ist dem BMW 320d sein Sparpotential übrigens nicht anzusehen – optisch gehen alle Limousinen und Tourings unverändert ins neue Jahr. Dem 3er Cabrio und dem Coupé gibt BMW hingegen einige dezente optische Veränderungen mit auf den Weg. An der Front finden sich neu konturierte Scheinwerfer mit Bi-Xenon-Einsätzen und LED-Tagfahrlicht, die zusammen mit einer breiteren BMW-Niere und zugespitzter Frontschürze das Modelljahr 2010 kennzeichnen. Und die Rückleuchten sind nun einheitlich rot gefärbt.

Zusätzlich wird das Angebot für das 3er Coupé und das Cabrio um das Einstiegsmodell 318i ergänzt – für den Antrieb sorgt hier ein 143PS starker 2,0-Liter-Benziner. Dank mager arbeitender Direkteinspritzung beschränkt sich der Norm-Verbrauch auf 6,3 Liter. Für Kunden des Touring offeriert BMW ebenfalls ein neues Basisangebot: den 115 PS starken 316d.