"Spät bremsen, sauber einlenken und den Scheitelpunkt fest im Blick haben", dröhnt es aus dem Walkie-Talkie. Instruktor Jörg Weidinger folgt in 10 Metern Abstand und korrigiert ebenso freundlich wie penibel jeden kleinen Fehler auf dem Nürburgring.
Selbst gefahrene Rennrunden müssen auch in Zeiten der Klimadebatte kein Kindheitstraum bleiben. Die Teilnehmer der "Mini Racing License" schlagen dabei zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie lernen hinter dem Steuer eines 210 PS starken Wagens aus der Rennserie Mini Challenge den Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings kennen, und sie haben die Chance, am Ende eine Rennfahrer-Lizenz zu erhalten.
Die Instruktoren Jörg Weidinger und Claudia Hürtgen haben tausende Runden auf der Nordschleife in den Knochen. „Ich habe früh angefangen und fahre Rennen, seit ich 13 bin“, sagt Claudia Hürtgen. Männerdomäne Motorsport? "Mein Vater fuhr in seiner Freizeit Rennen. Ich hatte keinen Bruder – also habe ich das Erbe übernommen." Heute verbringt sie mehr als 100 Tage pro Jahr am Mini-Volant.
Nicht so schnell in die Kurve hinein, lieber schnell raus
Runde für Runde legen die Kursteilnehmer ihre Scheu vor Kurven und Schikanen ab, manche zu schnell. "Immer die Ruhe bewahren", ermahnt Claudia Hürtgen den Teilnehmer hinter ihr. Auf der Start-Ziel-Geraden hatte er im Windschatten mächtig Dampf gemacht und bekommt nun Probleme, seinen Renner bei der Einfahrt in die kurvige Mercedes-Arena wieder unter Kontrolle zu bekommen. Regen macht die Strecke seifig – 175 PS und Frontantrieb tun ihr übriges.
Auch Jörg Weidinger, BMW-Fahrwerksentwickler und ebenfalls erfolgreicher Rennfahrer, wird bei der Lagebesprechung in der Boxengasse deutlich: "Es ist viel wichtiger, schnell aus einer Kurve heraus zu fahren als schnell hinein. Trotz der gleich starken Autos kann ich euch problemlos von hinten überholen."
Die ersten Teilnehmer träumen dennoch schon von einem Start bei der Mini Challenge. Pro Jahr gibt es acht Rennen in ganz Europa. Challenge-Repräsentant Peter Linke: „Ein Rennauto kostet fahrbereit 58.000 Euro. Für eine Saison muss man sicher weitere 60.000 Euro kalkulieren, Transporte und Teamkosten kommen noch dazu."
Dennoch hat sich die Mini Challenge zu einer beliebten Rennserie gemausert. Pro Rennen starten 38 Teilnehmer, kein Starterfeld ist größer und bunter. Profis, Promis, Teilzeit-Schumis – hier fährt jeder mit.
Bei den Kursteilnehmern wächst die Lust auf die ersten Runden im Tourenwagen. "Viele Teilnehmer kommen gerade deshalb", sagt Weidinger. Obwohl der Aufenthalt im Renn-Mini eine Tortur ist: Der Überrollkäfig macht das Einsteigen zu einer Kletterpartie, und beim Fahren wird es quälend heiß, bis zu 60 Grad im echten Rennen. Darum sind die meisten Rennfahrer nicht nur klein, sondern auch austrainiert. Einen Wagen über längere Zeit im Rennbetrieb zu bewegen ist Hochleistungssport.
Nur 25.000 Deutsche haben eine Rennfahrerlizenz
Dass der Racing Mini ein echter Rennwagen ist, erfährt der Pilot schon nach wenigen Metern. Die Federung steinhart, die Lenkung messerscharf, und mit den weichen Rennreifen zaubert man atemberaubende Kurvengeschwindigkeiten auf den Kurs. Wer jetzt nicht infiziert ist, braucht die Lizenzprüfung erst gar nicht abzulegen.
Wer sie aber hat, betritt einen exklusiven Zirkel: Nur etwa 25.000 Personen in Deutschland sind berechtigt, an offiziellen Rennen teilzunehmen. Sie haben eine Lizenz vom Deutschen Motorsportbund (DMSB), dabei gilt die nationale A-Lizenz als Einstieg in die Welt der "richtigen" Autorennen. Nach erfolgreicher Prüfung und ärztlicher Untersuchung wird die A-Lizenz erteilt. Der DMSB berechnet 126 Euro für die Mitglieder großer Automobilklubs, alle anderen zahlen 176 Euro. Aufpassen muss man, wann man die Lizenz beantragt: Es darf nicht später als neun Monate nach Ablegen der Prüfung sein – und es sollte am Anfang des Jahres geschehen. Denn die Lizenz läuft immer zum 31. Dezember ab und muss jährlich für dieselbe Gebühr erneuert werden.
Diese jährlichen Kosten werden erhoben, damit möglichst nur aktive Rennfahrer die Lizenz behalten. Eine Mindestanzahl an Einsätzen braucht es allerdings nicht, nur zahlen muss man jedes Jahr.
Der Lehrgang bei Mini kostet 2255 Euro, inklusive Hotel und Vollpension. Eine Garantie für das Bestehen gibt es nicht, doch wer die Tage konzentriert hinter sich gebracht hat, dürfte kaum Probleme haben, die Prüfung zu bestehen. Jetzt braucht man nur noch einen Rennwagen. Und Sponsoren.




