Wenn dieses Auto im Rückspiegel auftaucht, werden auch böse Buben plötzlich ganz, ganz brav. Denn wer erst einmal den neuen Ford Interceptor im Nacken hat, sollte sich keine krummen Touren mehr erlauben. Schließlich soll der Streifenwagen mit martialischem Rammbock und böse geschwärzten Kühlergrill seinen Vorgänger beerben, mit dem die Cops bislang auf Verbrecher-Jagd gingen: Abgeleitet von der Mittelklasselimousine Taurus will Ford mit dem „Abfangjäger“ an den Erfolg des Crown Victoria anknüpfen, der in Amerika nicht nur die Taxiflotten, sondern auch den Behördendienst dominiert und Ende 2011 zur letzten Dienstfahrt antritt.

Für den Einsatz im Kampf gegen das Böse hat Ford aus der biederen Familienkutsche einen Rammbock auf Rädern gemacht, der jedem Action-Thriller zur Ehre gereichen würde: Die so genannten Pushbars an der Front boxen alle Gegner von der Straße, die in speziellen Crashtests gestählte Karosserie übersteht auch schwere Karambolagen ohne größere Schäden, die Bremsen haben mehr Biss und das Design ist so Furcht einflößend, dass einem schon beim ersten Blickkontakt der Angstschweiß auf die Stirn tritt.

Dazu gibt es natürlich die übliche Polizei-Ausstattung: Schon im Frontbügel stecken genug LED-Strahler für eine blau-rote Disco-Party. Wo andere Autos in den Gehäusen der Außenspiegel Blinker haben, gibt es hier Blitzlichter, auf dem Dach ist mehr Leuchtkraft installiert als bei den Reklametafeln rund um den New Yorker Times Square, und wie jeder ordentliche US-Polizeiwagen hat auch der Interceptor einen Suchscheinwerfer, der an einem Bügel durch die A-Säule geführt und wie ein Gewehrlauf dirigiert wird.

Innen erinnert das Auto an ein Polizeirevier auf Rädern: Der Fahrer sitzt vor einer Schutzwand aus speziellem Kunststoff, der auch von Messern nicht durchstochen werden kann.

Die Sitze sind robust, die Rückbank abwaschbar, und wo man hinblickt, blinkt und blitzen die Kontrollleuchten – schließlich ist der Officer immer online und hat mit seinem Terminal Zugang zum zentralen Polizei-Computer.

Weil es ganz schön eng werden kann im Cockpit, haben die Entwickler auf maximale Ergonomie geachtet. Damit der Laptop auf den Mitteltunnel passt, rutscht die Schaltung für das Automatikgetriebe wieder ans Lenkrad. Für die Pumpgun und das Maschinengewehr gibt es eine Halterung zwischen den Sitzen. Und weil man im Einsatz buchstäblich alle Hände voll zu tun hat, können die Cops Sirene und Blaulicht wie bislang nur das Radio oder die Klimaanlage auch per Sprachbefehl steuern. Außerdem sorgen ESP, ein Spurwechselassistent und die Rückfahrkamera für mehr Sicherheit im Streifendienst.

Sieht man einmal vom verstärkten Fahrwerk ab, bleibt der Interceptor unter dem Blech allerdings ein braver Taurus: Ein Fronttriebler mit 3,5 Liter großem V6-Motor und 263 PS oder getunt als Version SHO mit 365 PS und Allradantrieb. Von ihrer geliebten Heckschleuder und dem innig verehrten V8-Motor müssen die Cops deshalb mitsamt dem Crown Victoria Abschied nehmen. So kommt mitten in der Aufrüstung selbst bei der Polizei die Idee vom Downsizing an.