Für gewöhnlich gibt es bei Automobilherstellern kaum etwas Neueres als die Designstudien. Doch wenn BMW in der kommenden Woche zur Wiedereröffnung des Werksmuseums in München erstmals das Konzeptfahrzeug GINA Light enthüllt, ist das eigentlich schon ein alter Hut. Schließlich ist das bis dato unbekannte Konzept bereits vor sieben Jahren entstanden. Aber auch wenn der Roadster damit in den Maßstäben der Autoindustrie bereits beinahe wieder ein Oldtimer ist, weist er noch viele Jahre in die Zukunft – denn so ein Auto hat es bei BMW noch nie gegeben. Und wenn es dumm läuft, wird es so schnell auch nicht dazu kommen.
Den Reiz des Roadsters macht weniger seine Form aus, die man zumindest im Groben längst beim aktuellen Z4 auf der Straße sehen kann. Sondern herausragend ist das völlig neue Material- und Fertigungskonzept, mit dem die Bayern dabei experimentiert haben. Denn statt Einzelteile aus Stahl, Kunststoff und Blech bringt den Zweisitzer ein Spezialgewebe in Form, das sich wie eine Haut über das Metallskelett spannt und nur noch aus vier Elementen besteht. Die üblichen Karosseriefugen gehören damit der Vergangenheit an, und mit ihnen gleich auch noch ein paar andere lieb gewordene Details aus über 100 Jahren Automobilbau.
Klassische Türen zum Beispiel sind bei diesem Karosseriekonzept nicht mehr vorgesehen. Stattdessen spreizt der Roadster zwei kleine Flügel zur Seite, auf denen dann ein Faltenwurf entsteht wie in der Kniebeuge eines Elefanten. Wo Autos wie die Corvette, der Opel GT oder der Mazda MX-5 mit Klappscheinwerfern experimentiert haben, verschwinden die Augen des Autos hier hinter beinahe echten Lidern, die sich nur bei Dunkelheit öffnen. Seitenblinker und Rückleuchten strahlen einfach durch die teilweise transparente Karosserie. Und wer einen Blick auf den Achtzylinder über der Vorderachse werfen möchte, der klappt die Motorhaube entlang einer längs verlaufenden Fuge auf, als operiere ein Chirurg am offenen Herzen.
Natürlich ist Gina Light ein visionäres Konzept, das man eher in einem Science-Fiction-Film als in einem Serienfahrzeug wieder sehen wird. Schließlich dienen Studien wie diese weniger dem Vorgeplänkel für neue Modelle als der Bewusstseinereiterung des Designteams, das damit eher spielerisch neue Denkansätze durchspielt, alternative Materialien erprobt und die üblichen Prozesse in Frage stellt. Doch wer die Premiere im Werksmuseum als Indiz dafür nimmt, dass diese Ideen längst wieder ad acta gelegt sind, der könnte einen gehörigen Fehler machen. Denn so ganz im luftleeren Raum träumen die Designer dann doch nicht.




