Auch bei der Namenswahl setzt Nissan aufs Ungewohnte, wobei sich Qashqai viel leichter spricht, als es den Anschein hat: Man sagt einfach Kaschkai, und diese sehr deutsche Lösung ist angeblich international gültig. Warten wir mal ab, was die Engländer sagen. In den dortigen Nissan-Zentralen nämlich wurde das Auto gestaltet und konstruiert, dort läuft es auch vom Band. Im Englischen kommt man dann ziemlich schnell von „Käschkäi“ auf Cash-Cow, den Slangausdruck für Gewinnbringer. So einen hat Nissan in der Golf-Klasse nämlich mehr als nötig.
Qashqais Vorgänger Almera war solide, aber glücklos, vor allem mit biederem Styling geschlagen. Das kann man dem neuen Auto nicht nachsagen, es ist in der Tat etwas Neues. Die obere Hälfte des Qashqai kann als moderne Interpretation eines Kompaktwagens durchgehen, mit steilem Heck, schräg ansteigender Gürtellinie und einer interessant gestalteten Front mit unverwechselbarem Gesicht. Unten herum wirkt der Qashqai mit seinen großen Radhäusern und der vergrößerten Bodenfreiheit eher wie einer der beliebten sportlichen Geländewagen.
Das Auto will ein Eroberer sein
Bei der Länge reiht sich der Qashqai mit 4,31 Metern am unteren Ende der sportlichen Geländegänger ein, Motorisierung und Innenraum aber lassen ihn in der Golf-Klasse verharren. So ist der Nissan zwar elf Zentimeter länger als der VW, doch innen macht er verblüffend wenig aus dem Größenvorteil. Statt eines vielseitig nutzbaren und variabel zu gestaltenden Fahrgastabteils findet man nur eine umklappbare Rückbanklehne vor. Legt man sie um, erhält man eine unebene Ladefläche mit deutlich sichtbarer Stufe und nur 1513 Liter Stauraum – das ist ein wenig von gestern. Immerhin: Der Kofferraum ist selbst bei aufrecht stehender Rückbank mit 410 Litern recht großzügig geraten, und für die Fahrgäste herrscht eine wohnliche Atmosphäre.
Hinten herrscht zwar nicht übermäßig viel Platz, doch die Kopffreiheit ist wohltuend, und der hoch gewachsene Passagier braucht sich nur einen Fahrer unter 1,70 Meter Körpergröße zu suchen, dann gibt es auch für ihn ausreichend Beinfreiheit. Vorn fällt besonders die sportlich gestaltete Mittelkonsole auf, die aber mit Funktionen überfrachtet ist. Auf einer Fläche von der Größe einer Postkarte drängen sich 37 Schalter, Knöpfe und Regler.
Mit zwei hauseigenen Benzinmotoren und Dieseltriebwerken des Mutterkonzerns Renault geht der Nissan Qashqai vom 24. Februar an auf Kundenfang. Bei ersten Testfahrten überzeugten die beiden 2,0-Liter-Maschinen mit leisem Lauf und hoher Drehfreude. Auch der 150 PS starke Diesel ließ sich willig hochdrehen, seine Schubkraft ist mit 320 Newtonmetern bei 2000 Umdrehungen dem je nach Ausführung bis zu 1685 Kilo schweren Auto angemessen. Auch der 141 PS starke Benziner erlaubte sich kaum Schwächen. Er läuft leise und vibrationsarm, wirkt nur selten angestrengt. Handlichkeit und Übersichtlichkeit des neuen Autos lassen dank einer direkten Lenkung und der leicht erhöhten Sitzposition keine Wünsche offen. Nur das Sechsganggetriebe fühlt sich etwas knochig an.
18.000 Qashqais will Nissan pro Jahr in Deutschland verkaufen, 80 Prozent der Kunden sollen von anderen Marken kommen. Das ist eine ungewöhnlich hohe Eroberungsrate. Aber erstens ist der Qashqai tatsächlich ein ganz anderes Auto, und zweitens hat der Vorgänger Almera so viele Freunde verloren, dass das Wildern bei der Konkurrenz einfach nötig ist. Mit 19.790 Euro für das einfachste Modell ist der neue Nissan allerdings kein Sonderangebot. In den möglicherweise schwierigen Preisverhandlungen können die Verkäufer aber mit einer sehr guten Serienausstattung punkten.
Mitarbeit: mid





