Die Überraschung ist den Berliner Grünen gelungen: Bettina Jarasch, 51 Jahre alt, Abgeordnete und ehemalige Landesvorsitzende der Berliner Grünen in den Jahren 2011 bis 2016, wird Spitzenkandidatin der Grünen für die Abgeordnetenhauswahl im kommenden Jahr. Nicht Ramona Pop, die Wirtschaftssenatorin, nicht Antje Kapek, die Fraktionsvorsitzende. Beide wollten den Job haben, beide haben verzichtet oder wurden zum Verzicht gedrängt. Wer bei der live übertragenen Pressekonferenz während Jaraschs Rede auch Pop und Kapek beobachtete, sah, wie sehr sie sich zusammenreißen mussten, um halbwegs gute Miene zum Spiel zu machen.

Bettina Jarasch ist also, das wurde schon an ihrem Auftritt am Montag deutlich, die personifizierte Kompromisskandidatin. Zwischen dem Realoflügel, der auf Pop gesetzt hatte, und dem starken linken Flügel bei den Grünen, der Kapek an der Spitze sehen wollte. Es mag ja sein, dass die Grünen, wie sie behaupteten, seit einem Jahr um die beste Aufstellung für die Abgeordnetenhauswahl ringen. Aber auch wenn keiner den Namen Jarasch auf dem Zettel hatte, überzeugen kann diese Personalie nicht.