Kommentar

Görlitzer Park: Es hätte gar nicht erst soweit kommen dürfen

Seit Jahren klagen Anwohner über zunehmende Vermüllung, ausufernden Drogenkonsum, Revierkämpfe zwischen Dealern und Ruhestörungen.

Im Görlitzer Park hätte es nicht soweit kommen dürfen, meint Alexander Dinger.

Im Görlitzer Park hätte es nicht soweit kommen dürfen, meint Alexander Dinger.

Foto: pa/Montage BM

Am Görlitzer Park kann es nicht so weitergehen wie bisher. Diese einfache Erkenntnis kommt besser spät als nie, könnte man meinen. Geht es nach Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), soll die Polizeipräsenz im Görlitzer Park und im angrenzenden Wrangelkiez noch einmal aufgestockt werden.

Der „Görli“ ist schon längst nicht mehr nur der Kifferpark, sondern der Berliner Drogen-Schwerpunkt schlechthin, an dem man zu jeder Tages- und Nachtzeit auch harte Drogen wie Heroin kaufen kann. Diese Entwicklung kommt mit allen Begleiterscheinungen. Die sichtbarsten sind zum Beispiel schwere Körperverletzungen. Diese sind trotz pandemiebedingter Ausgehbeschränkungen in diesem Jahr noch einmal gestiegen.

Nun gibt es erste Debatten darüber, wer das alles bezahlen soll und ob die neue grüne Härte gerechtfertigt sei. Dabei hätte es erst gar nicht soweit kommen dürfen. Denn gerade in der Lokalpolitik gibt es eigentlich feine Sensoren, die zielsicherer sind als Parteiprogramme und Klientelpolitik. Diese feinen Sensoren sind in diesem Fall die Menschen, die in der Umgebung des Görlitzer Parkes wohnen.

Seit Jahren klagen diese Anwohner über zunehmende Vermüllung, ausufernden Drogenkonsum, Revierkämpfe zwischen Dealern und Ruhestörungen. Denn im Gegensatz zum Partytouristen können die Anwohner nicht verschwinden. Sie müssen mit all den Begleiterscheinungen leben und sie aushalten.

Egal wie man es dreht und wendet: Es ist nicht schön, wenn Kinder jeden Tag auf dem Nachhauseweg an Dutzenden Drogendealern vorbei müssen. Nur wurden diese Beschwerden der Anwohner seit Jahren nicht gehört oder Bedenken kleingeredet. Das sollte eine Lehre sein, vielleicht in Zukunft ein bisschen eher auf diese Bedenken einzugehen.