Kommentar

Coronavirus in Berlin: Macht die Spielplätze zu!

Berlin schlägt schon wieder einen Sonderweg ein – und unterschätzt die Gefahr, meint Christine Richter.

Berlin. Der Berliner Senat bleibt seinem Weg treu: Die rot-rot-grüne Landesregierung, die in der vergangenen Woche schon sehr zögerlich bei den Beschlüssen zur Eindämmung der Corona-Ausbreitung war und erst am Sonnabend dann rigorose Maßnahmen beschlossen hatte, hat am Dienstag entschieden, dass alle Spielplätze in Berlin offen bleiben sollen. Entgegen der Empfehlung der Bundesregierung von Montag.

Spielplätze, auf denen sich schon am vergangenen Wochenende bei sonnigem Frühlingswetter viele Eltern und ihre Kinder tummelten, eng beieinander saßen und die Kinder natürlich, denn es sind Kinder, miteinander spielten. Man wunderte sich. Warum sind denn Schulen und Kitas geschlossen worden? Damit die Kinder und Jugendlichen nicht weiter zur Ausbreitung des Coronavirus beitragen. Weil jetzt alles dafür getan werden muss, damit die Ausbreitung verlangsamt wird, damit sich nicht so viele Menschen so schnell anstecken, damit verhindert wird, dass unser Gesundheitssystem kollabiert.

Trotz Coronavirus: Zahlreiche Eltern besuchten mit ihren Kindern die Spielplätze

Doch viele Eltern haben das offensichtlich nicht verstanden. Auch am Dienstag, wieder bei schönem Frühlingswetter, waren in Berlin noch zahlreiche Eltern mit den Kindern unterwegs und besuchten die Spielplätze. Das alles aber ignorierte der Senat. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) erklärte sogar, man könne Kindern beibringen, Abstand zu halten. Das ist nicht nur naiv, sondern verantwortungslos.

Es ist angesichts der rasant wachsenden Zahl an Infektionen, der weiter steigenden Zahl an Todesopfern auch der völlig falsche Weg. Das Argument, die Familien würden durchdrehen, wenn sie die kommenden Wochen in den Wohnungen bleiben müssten, gilt auch nicht. Schauen wir doch nach China, nach Italien, Spanien oder Österreich, wo schon Ausgangssperren gelten. Wer nicht möchte, dass die Pandemie noch schlimmer wird und vor allem noch länger dauert, der muss jetzt verantwortlich sein – und zu Hause bleiben.

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Das gilt auch für die Jugendlichen, die in den letzten Tagen in Berlin meinten, sich zu sogenannten Corona-Partys treffen zu müssen. Die jungen Menschen freuen sich über schulfrei und trafen sich in Parks oder vor Spätis, um in Gruppen Alkohol zu trinken und zu feiern. Zynischer geht es kaum. Die Berliner Polizei hat diese Partys richtigerweise aufgelöst, aber eigentlich hat sie, zumal selbst schon von 300 Corona-Fällen betroffen, Wichtigeres zu tun. Auch wenn es nun Streit in den Familien geben wird: Die Eltern müssen diese Ausflüge unterbinden, die Jugendlichen müssen zu Hause bleiben.

Viele Menschen wünschen sich in der Coronakrise einheitliche Maßnahmen

Angesichts dieser Lage und des bundesweiten Regelungsdurcheinanders wundert es nicht, dass sich viele Menschen jetzt einheitliche Maßnahmen wünschen. Auch die Verbände. So appellierte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) am Dienstag eindringlich an die politisch Verantwortlichen, sich auf eine Linie zu verständigen. Bars und Kneipen sind schon geschlossen, Restaurants in Berlin bleiben dagegen von 6 bis 18 Uhr geöffnet, während sie in anderen Bundesländern schon ganz zu sind oder nur noch einen Straßenverkauf ermöglichen. Welche Politiker haben noch nicht verstanden, dass es gerade in Krisenzeiten klare Regeln braucht, dass man die Unsicherheit mit unklaren Maßnahmen nicht noch verstärken darf?

Der Berliner Senat, der Restaurants und Spielplätze offen lässt, hat am Dienstag gleichzeitig bekannt gegeben, dass auf dem Messegelände ein Krankenhaus für tausend Menschen errichtet werden soll. Weil er ahnt, dass die Corona-Krise noch sehr schlimm werden wird. Wenn der Senat aber jetzt nicht durchgreift, dann wird alles noch sehr viel schlimmer werden.