Meinung

Fall Tesla: Berlin und Brandenburg schaffen es nur gemeinsam

Berlin und Brandenburg können beim geplanten Tesla-Werk nur zusammen viel bewirken. Das sollten beide Länder endlich verstehen.

So groß wird die Tesla-Fabrik in Brandenburg

Der Autohersteller Tesla plant eine Fabrik für 10.000 Mitarbeiter in Grünheide, östlich von Berlin. Doch behördliche Auflagen und Proteste aus der Bevölkerung gefährden den Bau.

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Berlin. 100 Tage ist es jetzt genau her, dass der schillernde Tesla-Chef Elon Musk die Automobilwelt mit der Nachricht verblüffte, die europäische Giga-Fabrik für seine E-Autos vor den Toren Berlins zu errichten. Die zwei Worte „Giga Berlin“ lösten gleich mehrere Erschütterungswellen aus. Die erfolgsverwöhnten deutschen Autobauer aus dem Süden der Republik reagierten verstört, weil sie einerseits wohl nicht damit gerechnet hatten, dass Tesla sie ausgerechnet auf ihrem eigenen Terrain herausfordern würde, und andererseits wunderten sie sich, dass es Tesla nicht dort hinzog, wo die Kompetenz sitzt, nämlich in Bayern oder Baden-Württemberg.

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Auch die Politik reagierte zunächst überrascht. Niemand hätte wohl damit gerechnet, dass sich das Weltunternehmen ausgerechnet in Brandenburg ansiedelt, das vor allem für seine Wälder und Seen bekannt ist – wenn überhaupt. Dass ausgerechnet der wackere Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und sein Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) den Coup an Land zogen, hätte ihnen niemand zugetraut.

Image von "Made in Germany in Schieflage geraten"

Der Entscheidung waren aber monatelange, höchst diskrete Verhandlungen vorausgegangen, in denen Brandenburg Tesla den Standort schmackhaft machen konnte – und das Unternehmen entschied, tatsächlich nach Grünheide im Südosten Berlins zu kommen. Der Bau der Fabrik für bis zu 500.000 Autos pro Jahr mit einer Gesamtinvestition von bis zu zwei Milliarden Euro ist aber weit mehr als eine bloße Standortentscheidung. Die Umsetzung der ehrgeizigen Tesla-Pläne ist auch ein Fingerzeig für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Sollten tatsächlich 2021, spätestens aber 2022 die ersten Tesla-Autos von den Fließbändern rollen, dann hätte Deutschland seinen Ruf als fähige Wirtschaftsnation verteidigt.

Denn zuletzt war das Image von „Made in Germany“ etwas in Schieflage geraten. Die Automobilkonzerne VW, Daimler und BMW haben die Entwicklung verschlafen und sind wegen der Betrugs-Diesel-Software heftig in die Kritik geraten. Die Klimawende stockt, weil die Frage der Trassen immer noch nicht geklärt ist und der Widerstand gegen immer neue Windparks in der ganzen Republik wächst. Und die Region Berlin-Brandenburg hat sich mit dem BER-Desaster, dem größten Infrastrukturprojekt in Ostdeutschland, bis auf die Knochen blamiert.

Es ist daher kein Wunder, dass sich auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für die Ansiedlung des US-amerikanischen Autokonzerns engagiert und Woidke selbst Chef der Brandenburger Taskforce ist, die die Tesla-Pläne betreut. Das Signal ist eindeutig: Brandenburg meint es ernst.

Sogwirkung der Tesla-Ansiedlung schon jetzt zu spüren

Für die Region könnten tatsächlich goldene 20er-Jahre anstehen, sollte die Umsetzung zügig gelingen – und zwar unabhängig davon, ob Teslas schnittige E-Autos einen Siegeszug antreten werden oder am Ende ein Angebot unter vielen bleiben. Die Sogwirkung ist jetzt schon zu spüren. BASF will ebenfalls 200 Millionen Euro in eine Batteriefabrik in der Region investieren, Brandenburg verhandelt bereits mit weiteren Industrieunternehmen über einen Umzug. Einen noch größeren Boom erwarten Experten für das Umfeld des neuen Flughafens. Es könnten Zehntausende neue, qualifizierte Arbeitsplätze entstehen.

Umso wichtiger ist es, dass Berlin und Brandenburg endlich mit der eitlen Konkurrenz brechen und begreifen, dass es nur gemeinsam klappt. Berlin als Anziehungspunkt für junge, kluge Köpfe, Brandenburg als attraktiver Nachbar mit jeder Menge Platz für Ansiedlungen. An Beteuerungen dafür mangelt es nicht, aber wie so oft in der Politik: Es hapert an der Umsetzung.