Meinung

Die Kritik am "Umweltsau"-Video ist völlig gerechtfertigt

Der WDR ist für ein missglücktes Satire-Video heftig kritisiert worden – zu Recht, meint Sebastian Geisler.

Ein Video sorgt für Diskussionen. Ein WDR-Kinderchor singt "Meine Oma ist ne alte Umweltsau". Sebastian Geisler findet das gar nicht lustig.

Ein Video sorgt für Diskussionen. Ein WDR-Kinderchor singt "Meine Oma ist ne alte Umweltsau". Sebastian Geisler findet das gar nicht lustig.

Foto: WDR; Maurizio Gambarini (Montage)

Es ist schon bemerkenswert, was beim WDR so alles als „Satire“ durchgeht. Da singen Kinder „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“ auf den Text von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Die Oma, die SUV fährt, die Oma, die Kotelett isst und Kreuzfahrten macht – das scheint ein Feindbild zu sein, das man Kinder nun inbrünstig besingen lässt. Als ich sah, auf welche Weise diese Kinder eingespannt werden, war ich fassungslos. Laut WDR sollen die jungen Sänger „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ sein. Es scheint den erwachsenen Machern also durchaus mehr um politische Wirkung als um Humor zu gehen. Wie „satirisch“ ist also solch ein Beitrag?

Das WDR-Video, das am Wochenende für so viel Diskussionen sorgte und einen wahren „Shitstorm“ auslöste, scheint auf ein tieferliegendes Problem hinzuweisen: Dass im Dienste einer guten Sache zusehends Mittel eingesetzt werden, die sehr fragwürdig sind.

Spaltung der Gesellschaft ist nicht Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Die Erklärungen des WDR-Chores, die auf die zahlreichen negativen Reaktionen folgten, machen die Sache nicht besser. Da heißt es etwa, den teilnehmenden Kindern sei erklärt worden, mit Überspitzung und Humor werde „der Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn genommen“. Konflikt der Generationen? Das vermittelt den Kindern erst recht den Eindruck, eine hedonistische Großelterngeneration ginge lieber auf Kreuzfahrt, als ihren Enkeln eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

Ich kenne wenige Menschen, die so sehr bedacht sind, ihren Nachfahren eine möglichst intakte Welt zu hinterlassen wie liebende Großeltern. Satire darf alles, von mir aus, aber es entspricht nicht dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zur gesellschaftlichen Spaltung beizutragen.

Legitime Kritik am WDR-Video ist nicht "rechts" und "AfD"

Dass WDR-Intendant Tom Buhrow für das Video um Entschuldigung gebeten hat, war die einzig richtige Reaktion. Dreist ist, was wir in sozialen Netzwerken dieser Tage immer wieder erleben: Dass Kritik allzu pauschal als „Angriff von rechts“ abgetan wird. Übrigens gern von jenen Menschen, die sonst nicht müde werden zu betonen, es gebe im Land selbstverständlich Meinungsfreiheit, man müsse aber eben auch Widerspruch aushalten. Richtig. Dann muss man bitte aber auch den Widerspruch aushalten, wenn er sich gegen das eigene Anliegen richtet.

Es zeigt doch eher, dass Kritikern die Argumente ausgehen, wenn legitimer Widerspruch als „rechts“ und „AfD“ diffamiert wird. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kritisierte den WDR und musste sich als „rechter Troll“ beschimpfen lassen. Was soll das? Allerdings bemängelte der Politiker auch die Instrumentalisierung von Kindern. Richtig – aber daran wird man ihn bei künftigen Wahlkämpfen erinnern dürfen.

Dass auch Rechtspopulisten dieses Video nutzen, um Stimmung zu machen, sollte kein Grund sein, Kritik zu unterdrücken. „We will not let you get away with this“ (Wir lassen Euch damit nicht davonkommen) heißt es am Ende des WDR-Videos. Das gilt also für alle. Es ist sehr richtig, dass man den rechtsextremen Agitatoren, die vor dem WDR-Gebäude in Köln am Sonntag Stimmung machten und gegen das Video protestierten, konsequent entgegentritt.

"Extinction Rebellion"-Aktivistin Carola Rackete grüßt bei Twitter aus Patagonien

Wissen Sie übrigens, wo Carola Rackete die Weihnachtstage verbracht hat? Die Flüchtlingsboot-Kapitänin und Klimaschutz-Aktivistin, die noch im Oktober mit „Extinction Rebellion“ dazu aufrief, in Berlin Straßen zu blockieren, um Arbeitnehmer im Berufsverkehr und den Klimawandel aufzuhalten. Sie grüßte bei Twitter aus Patagonien.

Meine Oma hat ihren Landkreis selten verlassen. Sie schützt das Klima mit Taten, wo andere lieber sehr laute Worte äußern.

Auch über die Zustände am U-Bahnhof Warschauer Straße regte sich unser Autor auf:

Und die Vermüllung der Stadt ärgert ihn:

Die Parkraumbewirtschaftung hält Sebastian Geisler für einen bürokratischen Witz: