Humboldt Forum

Berlin sollte seine bornierte Blockade aufgeben

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Isabell Jürgens
Sechs Jahre nach der Grundsteinlegung und wenige Monate vor der Eröffnung wäre Berlin gut beraten, seinen bornierten Widerstand gegen das Projekt aufzugeben und im Interesse eines gemeinsamen starken Auftritts auf die Einnahmen zu verzichten, meint Isabell Jürgens.

Sechs Jahre nach der Grundsteinlegung und wenige Monate vor der Eröffnung wäre Berlin gut beraten, seinen bornierten Widerstand gegen das Projekt aufzugeben und im Interesse eines gemeinsamen starken Auftritts auf die Einnahmen zu verzichten, meint Isabell Jürgens.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin will keinen freien Eintritt für die Berlin-Schau im Humboldt-Forum. Der Senat sollte noch einmal nachdenken, meint Isabell Jürgens.

Berlin. Das größte Kulturbauvorhaben in der Bundesrepublik seit der Wiedervereinigung steht kurz vor der Eröffnung. Tausende Besucher aus Berlin, dem In- und Ausland nutzten in den vergangenen Jahren die Tage der offenen Baustelle, um sich vom Fortgang der Arbeiten mitten auf dem Schloßplatz zu überzeugen.

Doch statt sich zu freuen, dass mit dem 620 Millionen Euro teuren Humboldt Forum im teilrekonstruierten Berliner Schloss ein neuer Publikumsmagnet entsteht, gibt sich Berlins rot-rot-grüne Senatsriege auf einmal erstaunlich kostenbewusst: Man werde nicht auf Ticketeinnahmen in Höhe von einer Million Euro verzichten, nur damit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ihr Versprechen vom kostenfreien Eintritt ins Schloss halten kann, heißt es aus den Senatsfraktionen.

Dass Berlin sich hier geizig zeigt, wirft schon Fragen auf

Natürlich sind eine Million Euro in der immer noch hoch verschuldeten Hauptstadt nicht wenig, und es ist generell löblich, wenn die Kosten im Blick behalten werden. Aber mal im Ernst: Dass Berlin sich ausgerechnet bei der eigenen Berlin-Schau im Humboldt Forum derart geizig zeigt, wirft schon Fragen auf.

Oder wie ist es zu werten, dass das Land beispielsweise für die nutzlosen grünen Punkte auf dem Asphalt der Kreuzberger Bergmannstraße knapp 150.000 Euro ausgibt, für die ungeliebten Holzparklets auf der gleichen Straße gar 880.000 Euro? Oder für 170.000 Euro zwei mobile Videowagen für die Polizei anschafft, die leider nie im Einsatz sind? Gar nicht zu reden von den 120 Millionen Euro, die für jedes Jahr der Nicht-Inbetriebnahme des Flughafens BER auflaufen...

Linke und Grüne fremdeln mit dem Humboldt Forum

An der plötzlich so knauserigen Haltung des Senats wird vor allem eines deutlich: dass insbesondere Linke und Grüne in der Hauptstadt immer noch erheblich fremdeln mit dem Projekt Humboldt Forum. Die Grünen, weil ihnen die wissenschaftliche Aufarbeitung mit der deutschen Kolonialgeschichte im Ausstellungskonzept zu kurz kommt. Und die Linken, weil für das Humboldt Forum der Palast der Republik abgeräumt wurde. Und ganz allgemein, weil man doch lieber an Stelle einer Schlossrekonstruktion etwas irgendwie Modernes gehabt hätte.

Doch statt sich nun als kostenbewusste Sparer zu gerieren und mehr oder weniger unverhohlen darüber zu freuen, dass man der CDU-Kulturstaatsministerin die Suppe versalzen hat, sollten Berlins Regierungsvertreter lieber noch einmal nachdenken. Denn gerade von der Berlin-Schau wird ja in erster Line die Hauptstadt selbst profitieren und nicht der Bund. Schließlich will man hier selbstbewusst die „Weltgeschichte von Berlin“ vorführen, zeigen, wie Berlin in die Welt gewirkt hat und wie die Welt ihrerseits auf Berlin.

Eigentlich logisch, Berlin für die Werbemaßnahme selbst bezahlt

Themen wie „Berlin Bilder“, „Revolution“, „Freiheit“, „Grenzen“, „Krieg“, „Vergnügen“ und „Mode“ werden aufgerufen und sollen ein ganz und gar unmuseales Bild der Stadt vermitteln. Das kann man durchaus als international wirksame Werbemaßnahme für die Hauptstadt sehen, und so ist es wohl auch gemeint. Eigentlich logisch, dass Berlin für diesen Auftritt auch selbst bezahlt und nicht auf den Bund verweist.

Ohnehin fehlt der interessierten Öffentlichkeit jegliches Verständnis für solche Nickligkeiten zwischen Bund und Land. Sechs Jahre nach der Grundsteinlegung und wenige Monate vor der Eröffnung wäre Berlin gut beraten, seinen bornierten Widerstand gegen das Projekt aufzugeben und im Interesse eines gemeinsamen starken Auftritts auf die Einnahmen zu verzichten. Denn sonst droht die so aufwendig inszenierte Berlin-Schau in der ersten Schloss-Etage unbeachtet zu verstauben. Den Schaden davon trägt ganz allein: Berlin.