Kommentar

Der Breitscheidplatz ist ein Symbol der Hilflosigkeit

Zweieinhalb Jahre nach dem Anschlag sieht der Breitscheidplatz in Charlottenburg aus wie eine Problemzone, die Touristen verschreckt.

Eine wie im Krieg gesicherte Problemzone mitten in der Stadt: der Breitscheidplatz.

Eine wie im Krieg gesicherte Problemzone mitten in der Stadt: der Breitscheidplatz.

Foto: Uta Keseling / BM

Berlin. Die Gedächtniskirche hat gerade den 60. Jahrestag ihrer Grundsteinlegung begangen – aber sie ist so massiv mit „Überfahrschutz“-Gerätschaften abgeschottet, dass die Besucher eher erschreckt wirken, die sich zwischen Pollern und Steinquadern auf den Breitscheidplatz bewegen.

Eine wie im Krieg gesicherte Problemzone mitten in der Stadt – sowohl für Menschen, die wegen der Symbolik der Kirche als Mahnmal für Frieden hierherkommen, als auch für jene, die der Opfer des Anschlags vor zweieinhalb Jahren gedenken wollen, ist das schwer erträglich.

Wenn mittags und abends die Glocken läuten, wirken viele Besucher eher erschreckt. Gibt es eine Bedrohung? Ist etwas passiert? Immer wieder sieht man Touristen um den verkleideten Kirchturm und über die Baustelle irren, ratlos die endlosen Erklär-Plakate studieren (ja, es wird saniert, und nein, ohne Sponsoring wie das XXL-Plakat am Turm wäre die Sanierung nicht zu finanzieren).

Dann verlaufen sie sich, wenn sie Pech haben, zwischen den Absperrungen oder auch zwischen den fast immerwährenden Kirmesbuden auf dem Platz. Nur wenige finden gezielt wenigstens das Mahnmal „Der Riss“, das den Opfern des Terrors gewidmet ist.

Die Gedächtniskirche wurde zum Symbol für ein neues, anderes West-Berlin

1959 war dem Neubau neben der Kirchenruine eine lange Diskussion vorausgegangen. Es ging um Abriss oder Erhalt der Ruine. Und um den Neubau, vor allem aber auch um dessen Symbolik. Die moderne, blau-schimmernde Beton-Architektur Egon Eiermanns: Wie würde das Nebeneinander von Zerstörung und Neubau verstanden werden? Heut weiß man: Der Bau, der ganze Ort wurde zum Symbol. Für ein neues, anderes West-Berlin nach dem Krieg.

Heute ist die Symbolik des Breitscheidplatzes eher unfreiwillig. Die ewige Baustelle, die martialischen Absperrungen mit den leuchtenden Aufklebern „Made in Germany“, die aufgesetzte Fröhlichkeit der Bier- und Wurststände zu fast jeder Jahreszeit – sie dokumentieren immer noch die ganze Hilflosigkeit im Umgang mit dem Anschlag vor zweieinhalb Jahren.