Kommentar

Es bleiben Zweifel an der BER-Doppelstrategie

Der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup müht sich um Glaubwürdigkeit. Doch Zweifel bleiben, meint Joachim Fahrun.

Der Flughafen BER

Der Flughafen BER

Foto: Patrick Pleul / dpa

Es gibt also wieder einen Plan für den BER. Bis Ende August 2018, so hat es Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup verkündet, soll der Problemflughafen am südöstlichen Stadtrand fertig gebaut sein. Sachverständige sollen bis dahin auch die Funktionsfähigkeit der 1800 einzelnen technischen Anlagen im Hauptterminal bestätigt haben. Danach untersucht das Bauamt, ob die Gebäudetechnik nicht nur isoliert, sondern auch im Zusammenspiel sicher arbeitet. Der eigentliche Prozess der Inbetriebnahme inklusive Testbetrieb schließt sich an.

Und damit wären wir im Sommer oder Herbst 2019. Wenn alles gut geht, könnte der künftige Hauptstadtflughafen BER dann endlich eröffnen. Siebeneinhalb Jahre nach der peinlichen Absage der Eröffnung 2012.

Noch verweigert der Flughafenchef eine Aussage, wann der Flugbetrieb am BER beginnen soll. Es gibt also immer noch zu viele Risiken, die den Ablauf stören könnten. Weil Lütke Daldrup sich nicht in die Reihe der gescheiterten Flughafenchefs einreihen möchte, bleibt er vorsichtig. Er hat das Glück, dass niemand ihm einen politisch gesetzten Termin aufzwingt.

Lütke Daldrup möchte in diesen Tagen den Eindruck vermitteln, alles unter Kontrolle zu haben. Erst präsentiert er sein Vorhaben, den BER möglichst schnell auszubauen und die vor allem ab 2020 befürchtete Kapazitätslücke zu schließen. Jetzt legt er mit dem Terminplan für den Bau nach.

Daldrups Botschaft: Dank BER wird man Tegel nicht brauchen

Dass diese Kommunikationsoffensive mit der bevorstehenden Abstimmung über den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel zusammenhängt, ist offenkundig. Der frühere Berliner Flughafen-Staatssekretär, als BER-Chef eher eine Notlösung, liefert späte Argumente für die Schließungsbefürworter: Seht her, der BER kommt mit Verzögerung, aber er kommt – und er wird auch groß genug sein, sodass Berlin Tegel nicht mehr benötigt, um die künftigen Passagiere abzufertigen. So seine Botschaft.

Die große Frage lautet nun: Kann man ihm glauben? Haben wir nicht schon so viele optimistische Prognosen und Vorhersagen gehört, bunte Folien bestaunt, Jahreszahlen kommen und gehen sehen? Haben die Aussagen des nicht mehr ganz neuen Flughafenchefs eine andere Qualität als die seiner vielen Vorgänger? Zumindest was die maximale Distanzierung zu früheren Strategien angeht, agiert Lütke Daldrup glaubwürdig. Er gibt den Kritikern intern fast ausnahmslos recht: falscher Standort, zu kompliziertes Gebäude, zu viele Umplanungen, Rauswurf der Planer, keine realistische Einschätzung über die Lage auf der Baustelle. Aber das ist Vergangenheit.

Die Baufirmen werden in die Pflicht genommen

Neu ist jetzt, dass der Flughafenchef endlich die Baufirmen mit ins Boot holt und sie auf einen Termin verpflichtet. Der Mann ist Stadtplaner und deshalb womöglich anders als Indus­triebosse an einen kooperativen Ansatz gewöhnt. Dabei hilft ihm, dass die Firmen endlich rauswollen aus dem übel beleumundeten Projekt. Lütke Daldrup, der früher Baudezernent von Leipzig war, kann es auch eher gelingen als seinen bisweilen großspurig auftretenden Vorgängern, die kommunalen Bauaufsichtsbehörden einzubinden.

Dennoch: Restzweifel bleiben. Zu vieles ist schiefgelaufen am BER. Zu vage bleibt der Flughafenchef, wenn es um Details oder die Frage nach zusätzlich benötigtem Geld geht. Lütke Daldrup versichert immerhin, Fortschritte oder eventuelle neue Probleme am BER transparent machen zu wollen. Wachsamkeit bleibt geboten. Aber wenn es wieder ein zielgerichtetes, strukturiertes Vorgehen gibt, um dem Skandal in Schönefeld ein Ende zu machen, ist das ein Fortschritt. Selbst wenn es noch bis 2019 dauert.

Rundgang durch die Flughafen-Baustelle am BER

Rundgang durch die Flughafen-Baustelle am BER

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