Die Art und Weise, wie die EU bislang mit dem Flüchtlingsansturm umging, ist alles andere als ein Ruhmesblatt. Das Polit-Management auf dem Höhepunkt der Krise im Herbst 2015 war chaotisch. Die Verteilung der Migranten erwies sich als ein unseliges Gezerre, bei dem in erster Linie osteuropäische Staaten das Prinzip der Solidarität mit Füßen getreten haben. Aber auch zwischen Frankreich und Deutschland herrschten tiefe Gegensätze: In Paris ist die Abneigung gegen die Aufnahme von Wirtschaftsmigranten sehr viel stärker ausgeprägt als in Berlin. Auch unter Präsident Emmanuel Macron hat sich daran nichts geändert.

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Insofern ist es bemerkenswert, dass stattfindet, der die Probleme an der Wurzel packen will. Die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Niger, Tschad und Libyen haben sich vorgenommen, die Fluchtursachen gemeinsam zu bekämpfen – in Afrika. Der bevorstehende Brexit und die nationalistischen Poltereien von US-Präsident Donald Trump haben offenbar dazu geführt, dass die Kerneuropäer näher zusammenrücken. Das ist gut so.

Afrika braucht vor allem Perspektiven

Der Plan, die Afrikaner zu stärken, ist vernünftig. Das gilt sowohl für die bessere Kontrolle der Grenzen als auch für den Einsatz gegen Schlepper und Schleuser. Doch das sind nur defensive Maßnahmen. Viel wichtiger ist es, im schwarzen Kontinent für neue Perspektiven zu sorgen. Nur so lässt sich eine ganze Generation rebellischer junger Männer von der großen Flucht nach Norden abhalten.

Dennoch muss vor Naivität gewarnt werden. Afrikas Regierungschefs haben natürlich ein Interesse an satten Millionenbeträgen aus EU-Kassen. Sie stehen aber in der Pflicht, korruptive Strukturen zu beseitigen und Ergebnisse zu liefern. In der Vergangenheit sind zu oft Finanzmittel in dunklen Kanälen versickert. Auch ist es eine Illusion zu glauben, man könne Afrika mit gigantischen Finanzspritzen stabilisieren. Nach dem Motto: Viel hilft viel.

Die traurige Wahrheit ist, dass die auf insgesamt zwei Billionen Dollar geschätzten Entwicklungsgelder, die in den vergangenen 60 Jahren geflossen sind, wenig bewirkt haben. Warum soll nun plötzlich gelingen, was seit Jahrzehnten nicht funktioniert hat? Ferner ist zu berücksichtigen, dass afrikanische Machthaber bis dato wenig Neigung gezeigt haben, die Abwanderung zu begrenzen. Die Rücküberweisungen der Afrikaner im Ausland – pro Jahr rund 58 Milliarden Euro – waren willkommene Transfers, die ihre Staaten entlasten.

Schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten

Gleichwohl: Es ist keine Alternative, die Hände in den Schoß zu legen und Afrika seinem Schicksal zu überlassen. Die Europäer können und sie sollen helfen. Ein Ansatz besteht zum Beispiel darin, die aufgezwungenen Freihandelsverträge zu kippen, die es den Europäern ermöglichen, afrikanische Märkte mit hoch subventionierten Agrar-Exporten zu überfluten. Die einheimischen Bauern können nicht mit den Billig-Importen konkurrieren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Zweitens gibt es keine Besserung der Lebensbedingungen ohne Geburtenkontrolle. Bereits im Jahr 2050 werden in Afrika voraussichtlich 2,4 Milliarden Menschen leben – zweimal so viele wie heute. Und schließlich müssen die afrikanischen Entscheidungsträger ihre Hausaufgaben machen: Korruption bekämpfen, die knappen Mittel gerechter verteilen, Investitionen fördern. Das Afrika-Kalkül der Europäer bei der Bekämpfung der Fluchtursachen ist äußerst ambitioniert. Schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten. Es wird sich nur auszahlen, wenn Afrikas politische Elite mitmacht und ihren Teil der Verpflichtungen übernimmt.