Ein Straße wird aufgerissen, und alle Kanäle und Leitungen im Untergrund werden auf einen Rutsch erneuert. Anschließend haben alle Anwohner und Straßennutzer mindestens zehn Jahre lang Ruhe vor neuen Sperrungen. Klingt eigentlich ganz einfach und erscheint zudem sinnvoll. Doch wer in Berlin lebt, der weiß, im Alltag geht es meist anders zu. Kaum ist der Asphalt ausgehärtet, rückt die nächste Baukolonne an, um für einen anderen Versorger eine neue Leitung zu verlegen. Für die Anwohner bedeutet das, wieder monatelang Lärm und Dreck ertragen zu müssen, und auch Autofahrer und Bus-Fahrgäste bleiben hoffnungslos im Stau stecken.
Es ist daher mehr als überfällig, dass der Senat, die Bezirke und alle wichtigen Infrastrukturbetriebe der Stadt ihre Arbeiten endlich so abstimmen wollen, dass das ständige „Straße auf, Straße zu“ endlich der Vergangenheit angehört. Als Modellprojekt wurde am Dienstag ein gemeinsames Arbeiten am Tempelhofer Damm vereinbart, der ab 2022 auf einem 2,2 Kilometer langen Abschnitt faktisch neu gebaut wird.
Am Ende haben alle etwas davon
Doch wie schwer so ein vereintes Vorgehen ist, lässt bereits der lange zeitliche Vorlauf erahnen. Alle Unternehmen haben in der Regel scharf kalkulierte Budgets und langfristige Bauplanungen, die kurzfristig nicht einfach über den Haufen geworfen werden können. Während etwa die Erneuerung eines 100 Jahre alten Abwasserkanals für die Wasserbetriebe längst überfällig ist, müssen die vor gerade erst 20 Jahren verlegten Stromkabel eigentlich noch nicht ausgetauscht werden. Es bedarf zudem eines erheblichen Planungsaufwandes, die unterschiedlichen Arbeiten sinnvoll zu koordinieren.
Doch diese Anstrengungen lohnen sich. Denn am Ende haben alle etwas davon: Die Unternehmen sparen unterm Strich Zeit und viel Geld – und bei den Anwohnern, Rad- und Autofahrern werden die Nerven geschont. Der Tempelhofer Damm ist ein Anfang, weitere Projekte müssen aber nun rasch folgen.
Viele Unfälle: Planer drücken beim Berliner Ring aufs Tempo


