Nachdem monatelang in den Berliner Bürgerämtern kaum etwas voranging, hat sich das Problem jetzt verlagert. Inzwischen funktioniert der Service in den Bürgerämtern, dafür sind an anderen Stellen personelle Engpässe entstanden. Besonders schlimm ist es aktuell in den Standesämtern in Pankow und Mitte, wo Heiratswillige oft monatelang auf einen Termin warten müssen.

Erstens fehlt es an Standesbeamten – der jahrelange Sparkurs in der Verwaltung hat dazu geführt, dass kaum noch Nachwuchs ausgebildet wurde. Standesbeamte sind rar und von den Bezirken inzwischen heiß begehrt. Zweitens führen die wachsende Stadt und die zunehmende Internationalisierung Berlins dazu, dass immer mehr Ausländer hier heiraten wollen. Das macht das Antragsverfahren allerdings in aller Regel komplizierter und langwieriger, weil notwendige Unterlagen aus den jeweiligen Heimatländern besorgt, übersetzt und beglaubigt werden müssen. Der Arbeitsdruck auf die Beamten wächst – und führt zu einem hohen Krankenstand. Ein Teufelskreis, wie er an vielen Stellen der Verwaltung zu verzeichnen ist.

Die Politik hat darauf reagiert, wie sie es stets zu tun pflegt: Sie wartet, bis es fünf nach zwölf ist, und hofft, dass es nicht so schlimm kommen wird. Danach überschlagen sich die Politiker darin, Lösungen aufzuzeichnen, von denen dann eine in Angriff genommen wird, am besten die preisgünstigste. In Berlin wurde viel zu lange zugesehen, wie der öffentliche Dienst kaputtgespart wurde. Erst seit einem Jahr wurde der Spardruck von den Verwaltungen genommen und der Personalabbau gestoppt. Jetzt soll wieder mehr ausgebildet werden, jährlich sollen 5000 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt werden.

Bis die Engpässe in den Standesämtern abgebaut sind, wird es allerdings noch etwas dauern, denn die fehlenden Fachkräfte müssen erst noch ausgebildet werden. Wieder einmal wurde viel zu spät reagiert.

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