Noch immer leben in Berlin 15.000 geflüchtete Menschen in Notunterkünften. Sie schlafen in Hangars, in Turnhallen oder, wenn sie mehr Glück haben, in ehemaligen Büros. Manche essen seit vielen Monaten tagein tagaus Fertigmenüs, Privatsphäre ist für viele ein Fremdwort. Dass die Stadt deshalb so schnell wie möglich ordentliche Unterkünfte für die Flüchtlinge bauen muss, ist selbstverständlich. Und Modularbauten, die dauerhaft stehen bleiben und den Menschen eigene kleine Wohnungen bieten, sind sicherlich besser als Containerdörfer, weitere Langzeit-Provisorien.

Dennoch bleibt es rätselhaft, warum der Senat und der Bezirk Steglitz-Zehlendorf solch einen Modularbau nun ausgerechnet dort bauen wollen, wo dafür 200 Bäume gefällt und eine historische Grünanlage zerstört würden. Es sieht fast so aus, als sollte die Akzeptanz für die Flüchtlingswohnungen in Lankwitz mit Vorsatz zerstört und die Bürger in die Arme der rechten Rattenfänger getrieben werden.

Senat und Bezirk schieben sich die Schuld zu

Wie so oft in der fast unendlichen Geschichte der Suche nach geeigneten Grundstücken für Flüchtlinge schieben sich Senat und Bezirk gegenseitig die Schuld an der Misere zu. Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sagt, der CDU-geführte Bezirk habe keinen alternativen Bauplatz angeboten, und es gehe eben nicht, dass alle Flüchtlinge nur nach Marzahn oder Treptow ziehen, weil dort die Mehrzahl der neuen Häuser entstehen. Die Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) sagt, der Senat habe das Park-Grundstück ausgesucht, sie könne nichts dafür. Und dann gibt es noch die grüne Umweltstadträtin, die das Baumfällen genehmigt hat. Das riecht nach politischem Verantwortungs-Ping-Pong.

200 Bäume gegen 450 Flüchtlinge, das ist ein ganz übler Gegensatz, den es so nicht geben darf. Es ist kaum zu glauben, dass es im großen Südwesten Berlins keinen Ort gibt, wo der Modularbau stattdessen entstehen könnte.

Mehr zum Thema: