Berlin

Der Streit über das Einheitsdenkmal ist bedauerlich

Noch immer gibt es keinen Gedenkort für die Wiedervereinigung. Es braucht ein Gesamtkonzept, meint Jens Anker.

Der Entwurf für das Einheitsdenkmal vor dem Humboldt-Forum

Der Entwurf für das Einheitsdenkmal vor dem Humboldt-Forum

Foto: dpa Picture-Alliance / Milla & Partner / picture alliance / dpa

Der Streit über die Gestaltung der historischen Mitte Berlins geht in die nächste Runde. Nachdem der Bundestag das geplante Einheitsdenkmal neben dem Humboldt Forum wegen einer Kostensteigerung von zehn auf 15 Millionen Euro in diesem Frühjahr gestoppt hat, fordert Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) jetzt eine grundsätzlich neue Diskussion über Ort und Art des Gedenkens an die friedliche Revolution von 1989. Das wäre gleichbedeutend mit dem endgültigen Aus für die umstrittene Wippe, die nach jahrelangen Diskussionen im Jahr 2011 vom Bauministerium als Siegerentwurf des Wettbewerbs für das Denkmal präsentiert worden war.

Aber das Projekt stand seit Beginn der Planungen unter keinem guten Stern. Die Macher des Entwurfs trennten sich kurz nach der Siegerkür im Streit. Auch der ausgewählte Ort auf dem Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals von Kaiser Wilhelm I. führte zu Komplikationen. Bei Sanierungsarbeiten am Sockel wurden alte Mosaiken und seltene Wasserfledermäuse entdeckt. Der Bundestag heizte den Streit zuletzt noch dadurch an, dass er Geld für den Wiederaufbau der Kolonnaden bereitstellte, die ein Denkmal am geplanten Ort unmöglich machen würden. Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sprach in diesem Zusammenhang von einem „Handstreich“ des Bundestags.

Diese Entwicklung ist bedauerlich, war aber nach dem Streit der vergangenen Jahre fast abzusehen. Die Gestaltung der historischen Mitte ist längst zu einem Politikum geworden, bei dem auf allen Ebenen miteinander gestritten und gerungen wird. Möglich wurde das vor allem durch das Fehlen eines schlüssigen, von allen Beteiligten geteilten Gesamtkonzepts für die großen Brachflächen zwischen Alexanderplatz und Staatsoper. Dieses Versäumnis muss dringend beseitigt werden, um die friedliche Revolution von 1989 endlich angemessen würdigen zu können. Seite 11