Für viele Erstsemester, Berufseinsteiger, Entsandte großer Firmen oder auch Menschen, die aus ganz persönlichen Gründen schnell und flexibel eine Bleibe in Berlin finden müssen, ist das „temporäre Wohnen“ in voll eingerichteten Apartments ein attraktives Angebot. Eine Studie des international agierenden Immobilienberaters bescheinigt diesem Wohnmodell entsprechend beste Wachstumschancen in der deutschen Hauptstadt. Das ist auch gut so, denn eine veränderte Arbeitswelt braucht auch veränderte Wohnformen.
Doch die Studie kommt leider auch zu einem weiteren, besorgniserregenden Ergebnis. Denn in Berlin, so die Verfasser, gesellen sich zu den 11.000 von professionellen Betreibern angebotenen Bleiben noch einmal genauso viele möblierte Wohnungen, die dem „grauen Markt“ zugerechnet werden müssen. Hierbei geht es um die eigentlich verbotenen Ferienwohnungen. Diese Wohnungen sollten, so das Ziel des Senats, zurück auf den regulären Wohnungsmarkt. Doch die Politik wird offenbar ausgetrickst.
Zahlen belegen erste Vermutungen. Eine jüngst veröffentlichte Untersuchung des Forschungsinstituts Empirica ergab, dass 35 Prozent der inserierten Wohnungen in Berlin inzwischen inklusive Einrichtung vermietet werden – doppelt so viel wie noch 2012. Ein Geschäft, das sich lohnt: Möblierte Apartments in Berlin werden 70 Prozent teurer vermietet als Wohnungen ohne Einrichtung.
Auf der Strecke bleibt bei diesem lukrativen Geschäftsmodell leider eine weitere, weit größere Personengruppe – nämlich alle diejenigen, die auf der verzweifelten Suche nach einer normalen Mietwohnung sind. Senat und Bundesregierung sind gefordert, rechtliche Schlupflöcher schnell zu schließen, die renditebewussten Vermieter und Investoren derzeit noch eine bequeme Möglichkeit bieten, Mietpreisbremse und Ferienwohnungsverbot ganz legal auszuhebeln.


