Tourismus in Berlin

Das Verbot von Ferienwohnungen ist nicht hilfreich

Das Verbot von Ferienwohnungen gilt als Beitrag zum Kampf gegen Wohnungsnot, hat aber nur symbolischen Wert, meint Joachim Fahrun.

Ferienwohnung in Berlin

Ferienwohnung in Berlin

Foto: Britta Pedersen / dpa

Dass der Berliner gern mal meckert, ist eine Binsenweisheit. Wer hat sich noch nie über grölende Party-Touristen aufgeregt, über saufende Bier-Biker, klappernde Rollkoffer, Schlangen an der Museumskasse, desorientierte Reisegruppen oder Horden von Sonntagsfahrern auf Leihrädern. Manche Erscheinungen des wachsenden Massentourismus erfordern eine gewisse Toleranz der Stadtbürger in ihrem oft stressigen Alltag.

>>>Mehrheit der Berliner unterstützt Verbot von Ferienwohnungen<<<

Werden die Berliner aber mit einigem Abstand in einer Telefonumfrage angesprochen, lassen sie sich nicht von vorübergehenden Negativ-Emotionen leiten. 84 Prozent halten die steigenden Touristenzahlen für positiv, die Stadt habe davon Vorteile. Nicht einmal jeder Zehnte hält den wachsenden Tourismus für negativ. Die Befragten des Berlin-Trend haben damit eindrucksvoll das Image Berlins als tolerante und der Welt zugewandte Stadt bestätigt.

Das bedeutet aber nicht, dass die Bürger den Senat aus der Pflicht entlassen, die negativen Auswirkungen des Massenansturms zurückzudrängen. Das Vorgehen gegen Ferienwohnungen wird weithin gutgeheißen, eine Mehrheit sieht das Verbot als Beitrag zum Kampf gegen die Wohnungsnot. Dabei darf man schon fragen, welchen mehr als symbolischen Einfluss es auf den Markt von mehr als 1,8 Millionen Wohnungen hat, wenn ein paar Tausend jetzt nicht mehr von Touristen belegt werden.

Zumal viele Vermieter umsteuern und eben statt auf Kurzzeit-Vermietung an Touristen auf möblierte Appartements für Teilzeit-Berliner setzen. Noch ist auch keineswegs entschieden, ob der Kurs des Senats gegen die Ferien-Vermieter vor den Gerichten Bestand hat. Es handelt sich eben doch um einen massiven Eingriff ins Eigentumsrecht, der Vermieter von als Praxen oder Kanzleien ebenso zweckentfremdeten Wohnungen eben nicht trifft.

Die Mehrzahl der Bürger möchte das Thema auch gern an die Verwaltung delegieren. Selber aktiv Ferienwohnungen dem Amt zu melden, das sieht nur jeder Zehnte als seine Bürgerpflicht an. Auch hier zeigt sich der Berliner liberal, lässt seine Nachbarn eben machen. Aber auch diese Haltung trägt ja zum Erfolg der entspannten Metropole Berlin auf den Tourismusmärkten bei.