Sanierungsplan

500 Millionen Euro für die Messe sind gut angelegtes Geld

Das Messegeschäft ist eine wichtige Säule der Berliner Wirtschaft. Die Millioneninvestition ist gerechtfertigt, findet Joachim Fahrun.

Das Internationale Congress Centrum (ICC) wurde schon 1979 eröffnet und dient jetzt als Notbleibe für Flüchtlinge

Das Internationale Congress Centrum (ICC) wurde schon 1979 eröffnet und dient jetzt als Notbleibe für Flüchtlinge

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / dpa

Eigentümer von Immobilien müssen dafür sorgen, dass ihre Gebäude nicht verfallen und ihr Vermögen erhalten bleibt. Gegen diesen lebensklugen Grundsatz hat der Berliner Senat über Jahrzehnte verstoßen. Schulen, Behördengebäude, Straßen, Radwege, Krankenhäuser – überall sind die Folgen des rigorosen Sparkurses sichtbar. Der Verzicht auf eigentlich nötige Investitionen hat neben den niedrigen Zinsen und dem Lohnverzicht der Mitarbeiter den größten Beitrag geleistet, um den Landeshaushalt wieder ins Plus zu bringen.

Wenn jetzt die Messegesellschaft für die nächsten 15 Jahre fast einen halbe Milliarde Euro fordert, um die Hallen am Funkturm auf modernen Stand zu bringen, kann das kaum jemanden überraschen. Gebäude und Anlagen haben inzwischen Jahrzehnte auf dem Buckel, auch die schmucken roten Hallen sind schon mehr als 20 Jahre alt.

Was geschieht, wenn der Senat jetzt nicht einen mittelfristigen Sanierungsplan finanziert, ist genau neben dem Messegelände zu besichtigen. Hier gammelt der Koloss des Internationalen Congress Centrums nun schon seit 2014 vor sich hin und dient ein paar Hundert Flüchtlingen mehr schlecht als recht als Notbleibe. Die Technik des ICC ist veraltet, kaum mehr zu reparieren, auch darum traut sich bisher niemand, den Giganten anzufassen. Womöglich wäre es deutlich billiger gekommen, zwischendurch mal etwas zu erneuern, als scheinbar sparsam abzuwarten und jetzt mit Summen von mehreren Hundert Millionen Euro für ein immer noch unbekanntes Nutzungskonzept zu hantieren.

Es hilft nichts: Wer immer nach dem 18. September die Stadt regiert, wird Geld ins Messegelände investieren müssen, auch wenn dieses dann für Wohnungen, Kitas oder neue Schulen fehlt. Das Messegeschäft ist für Berlin zu wichtig, um zu riskieren, dass Aussteller und Besucher wegbleiben, weil ihnen in den Messehallen der Putz auf den Kopf fällt oder die Technik veraltet ist. Gestreckt über 15 Jahre müssten 30 Millionen Euro jährlich zu stemmen sein, um eine Säule der Berliner Wirtschaft nicht zu gefährden.