Bei der Erziehung von Kindern gibt es Grundsätze. Einer lautet: Wenn die Mutter sagt, abends gibt es kein Fernsehen, kann das nicht der Vater erlauben. Zwar wird sich der Vater bei den Kindern beliebt machen, aber sie werden die Meinungsverschiedenheiten ausnutzen. Dasselbe gilt für den Umgang von Vater Staat mit Intensivtätern.
In Neukölln, wo 50 minderjährige Intensivtäter bekannt sind, sollen nun alle Behörden zusammenarbeiten. Das Jugendamt mit der Polizei, die Staatsanwaltschaft mit der Jugendgerichtshilfe, die Sozialarbeiter mit den Schulen. Dieses abgestimmte Verhalten ist sinnvoll. Der Staat muss mit einer Stimme sprechen. Dass nun eine Arbeitsgruppe diese Zusammenarbeit koordiniert und die Familien der kriminellen Jugendlichen aufsucht, ist ein richtiger Schritt. Notfalls mit Unterstützung von Polizei und Staatsanwaltschaft.
Im Einzelfall stößt die Zusammenarbeit der Behörden allerdings durch den Datenschutz an ihre Grenzen. Deshalb sollen Eltern von kriminellen Kindern unterschreiben, dass der Datenschutz nicht greift. Einige Eltern werden mitmachen. Denn es gibt auch Mütter und Väter, die mit ihren heranwachsenden Kindern überfordert sind. Da muss die Erziehung zum Teil der Staat übernehmen. Wer mitmacht, dem soll geholfen werden.
„Penetranten Druck ausüben“
Es gibt aber auch Familien, in denen gehört Kriminalität zum Alltag – über Generationen hinweg. Da hilft dann auch kein gut gemeintes Reden mehr. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, in solchen Fällen ihre „prozessuale“ Möglichkeiten wie Wohnungsdurchsuchungen auszuschöpfen. „Penetranten Druck ausüben“, nennt das Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). Ein Grundsatz der Erziehung lautet: Wer trotz Ermahnungen nicht reagiert, der muss bestraft werden – und zwar zeitnah. Hier gibt es noch Verbesserungsbedarf bei den Abläufen von Polizei und Justiz.
In Neukölln wurde kürzlich ein Platz nach der Jugendrichterin Kirsten Heisig benannt, die sich besonders für ein koordiniertes, konsequentes Vorgehen gegen kriminelle Jugendliche engagierte. Ihr Programm ist nach ihrem Tod versandet. Das darf mit dem neuen Vorhaben nicht passieren.


