Jedes Unternehmen, jede Behörde kann heute ohne Fehlermanagement nicht erfolgreich arbeiten. Manchen ist das so wichtig, dass sie Mitarbeiter mit vierstelligen Gratifikationen belohnen, wenn sie Missstände aufdecken. Nicht so beim Unternehmen Berliner Polizei. Dort mussten Beamte, die bereits im Jahr 2007 auf unhaltbare Zustände an den Schießständen hinwiesen, ihre Dienstposten verlassen. Obwohl sie taten, was notwendig war: Aus Fürsorgepflicht auf die Gesundheitsgefahren für viele Tausend Kollegen hinzuweisen.

141 zum Teil verschwundene Gutachten später ermittelt seit Herbst 2015 die Staatsanwaltschaft. Und die Interne Revision der Polizei, eingesetzt von Präsident Klaus Kandt. Er verspricht „lückenlose Aufklärung“ eines Desasters, das er nicht zu verantworten hat. Das ehrt ihn. Am 2. März legte er einen Zwischenbericht vor, sprach von 89 Beamten, die gesundheitliche Schäden davontrugen. Es könnten aber auch bis zu 1500 sein. Kandt und Innensenator Frank Henkel (CDU) müssen nun dafür sorgen, dass der Zwischenbericht zumindest für die Abgeordneten schnell zugänglich wird. Nur so kann Vertrauen in den Aufklärungswillen wachsen. Innerhalb und außerhalb der Polizei.

47 von einst 74 Schießbahnen der Berliner Polizei sind geschlossen. Das reicht nicht, um das vorgeschriebene Schießtraining für die 18.000 Beamten der Polizei zu gewährleisten. Wenn ein Beamter im Januar 2014 auf dem Schießstand war, dann erst wieder im Dezember 2015. Dann hat er zwar formal die Voraussetzung erfüllt, um weiter als Waffenträger eingesetzt zu werden. In Wahrheit hat er aber zwei Jahre lang nicht mit der Waffe geübt. Ein Sicherheitsrisiko in Zeiten einer laut Henkel „abstrakt hohen Anschlagsgefahr“. Henkel und Kandt müssen schnell Lösungen finden. Und sie müssen dafür sorgen, dass Beschwerden und Kritik von Polizisten in der Behörde Gehör finden. Geschieht das nicht, laufen Innensenator und Polizeipräsident Gefahr, dass die Stimmung unter den Polizeibeamten noch schlechter wird als die Luft auf den Schießständen.