Nach aktuellen Prognosen könnte Berlin im Jahr 2025 die Vier-Millionen-Einwohner-Marke überschreiten. Das entspricht dem Zuwachs einer ganzen Großstadt etwa in der Größe von Duisburg. Dass ein Wachstum dieser Größenordnung nicht ohne Neubau zu bewältigen ist, dürfte jedem klar sein. Und im Prinzip haben die meisten Berliner auch Verständnis dafür, dass gebaut werden muss – solange der Neubau nicht vor der eigenen Haustür entstehen soll.

Es ist jedoch eine Illusion zu glauben, dass sich das Neubaugeschehen unauffällig mit der Schließung einiger kriegsbedingter Baulücken abwickeln lassen wird. Dringend benötigt werden Wohnungen, die auch mit kleinem Geldbeutel noch erschwinglich sind.

Da der Mietpreis ganz wesentlich an die Erstellungskosten gekoppelt ist, ist es nur folgerichtig, wenn sich die städtischen Wohnungsbaugesellschaften darauf konzentrieren, große Einheiten zu errichten – und dies in der kostengünstigsten und schnellsten Variante. Ob man diese nun als modulare oder serielle Bauweise tituliert oder ehrlich sagt, dass es sich um die Weiterentwicklung der „Platte“ handelt, ist da eher nebensächlich.

Der Bausenator und die landeseigenen Unternehmen müssen nun allerdings beweisen, dass sie aus den Fehlern der 70er- und 80er-Jahre gelernt haben. Die neuen Plattenbauten dürfen nicht erneut die funktionalen und gestalterischen Mängel aufweisen, die die Berliner Großsiedlungen in Ost und West zu sozialen Brennpunkten gemacht haben. Der finanzielle Aufwand, diese Quartiere nachträglich in lebenswerte Wohnorte zu verwandeln, war und ist enorm.

Das schlechte Image dieser einstigen Massenquartiere ist es auch, das viele Bürger reflexartig auf die Barrikaden bringt, wenn in ihrem Umfeld der Grundstein für ein Großvorhaben gelegt werden soll. Das Versprechen, dass diesmal Masse nicht mit dem Verzicht auf Klasse einhergehen soll, haben die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften am Montag in ihrer Hochglanzbroschüre vorgelegt. Jetzt werden sie sich daran messen lassen müssen, ob es ihnen gelingt, dieses Versprechen auch einzulösen.