Es gehört zu den schwer verständlichen Anachronismen in der aktuellen Flüchtlingsdebatte, dass diejenigen, die sich über neue Unterkünfte in ihren Bezirken beschweren, genau auch diejenigen sind, die beklagen, dass bei ihnen Turnhallen belegt sind. Dabei ist es ja gerade Sinn der Suche nach neuen Unterkünften, dass die Turnhallen möglichst schnell freigezogen werden, damit dort wieder Schul- und Vereinssport stattfinden kann. Der Streit zwischen Senat und Bezirken, wer wen und wann informiert hat, wird aber gerade auf dem Rücken der Schüler und der Flüchtlinge ausgetragen. Das ist beschämend.

Angesichts der aktuellen Flüchtlingsnot und der zu erwartenden weiteren Asylbewerber ist aber ein schnelles Handeln gefragt. Viel zu lange schachern Bezirke, Koalition und Senat über die künftigen Standorte. Die Ungeduld des Finanzsenators, der seinen Ärger darüber derzeit noch hinter verschlossenen Türen Luft macht, ist daher verständlich. Sich mit zwölf Bezirksbürgermeistern über jeden einzelnen neuen Standort auseinanderzusetzen, wäre keine Lösung, sondern würde das Problem mindestens bis nach der Wahl am 18. September hinauszögern.

Anders als mit einem schleunigst herbeizuführenden und eindeutigen Senatsbeschluss wird die Frage nach neuen Heimen nicht zu lösen sein. Das ist auch deswegen bitter nötig, um in der Unterkunftsfrage endlich in Vorlage zu kommen. Der aktuelle Stand, am Morgen noch nicht zu wissen, wo am Abend die Flüchtlinge unterkommen, hat bereits vielerorts Schaden angerichtet, weil sich die vor Ort lebenden Berliner übertölpelt fühlen.

Mit einer Liste von 90 Standorten – 30 für Container und 60 für Modularbauten – wird für alle Planungssicherheit geschaffen. Zumal alle Beteiligten eine dezentrale Unterbringung fordern, um eine Gettobildung zu vermeiden. Das heißt aber auch, dass dezentrale Flächen in allen Bezirken gefunden werden müssen. Und zwar schnell.