Zwei rasen. Ein Mensch stirbt. Schlimm genug. Doch es hätte noch schlimmer kommen, mehr Tote und Verletzte geben können. Die Raser vom Tauentzien hatten nur Glück, dass nachts um halb eins relativ wenige Menschen auf der Einkaufsstraße unterwegs sind. Der 69-Jährige, der bei grüner Ampel fuhr, hatte nicht die geringste Chance. Ein tragischer Tod, der Berlin bewegt. Bodo Pfalzgraf, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert, „solche Leute zu Fußgängern zu machen, denn sie missbrauchen ihr Fahrzeug als Waffe“. Die Forderung kann man erheben. Die Frage ist nur: Wie?
Kudamm und Tauentzien werden immer wieder von Rasern als Protzmeile missbraucht. Die Polizei macht immer mal wieder Kontrollen und zieht auch aufgemotzte Fahrzeuge aus dem Verkehr. Wie zuletzt im Sommer vergangenen Jahres. Aber: Die Polizei wäre mit Rund-um-die-Uhr-Kontrollen überfordert. Der Ruf nach strengeren Gesetzen führt auch nicht immer weiter. Natürlich könnte man allein die Teilnahme an einem spontanen oder verabredeten Rennen unter Strafe stellen und so auf Abschreckung setzen. Die funktioniert aber nur, wenn die Polizei kontrolliert und die Justiz auch entsprechende Urteile fällt. Und das möglichst schnell. Aber was für die Polizei gilt, gilt auch für die Richter. Die Akten stapeln sich, sind nur mit hohem persönlichen Einsatz abzutragen.
Es werden auch immer wieder Forderungen laut, für Fahranfänger die PS-Zahl zu begrenzen. Aber wer will die Grenze ziehen? Wer kann sagen, wann ein junger Mann die nötige Reife hat, um verantwortlich mit einem kräftig motorisierten Fahrzeug auf den Straßen unterwegs zu sein? In einem der Unfallwagen saß auch eine junge Frau. Es gibt Studien, die zeigen, dass Frauen noch am ehesten auf den Fahrer einwirken, ihn von sinnlosen und lebensgefährlichen Sprints abhalten können.
Ansonsten bleibt der Zivilgesellschaft nur: Kennzeichen notieren, Handy-Video machen, Polizei rufen, wenn sich junge Raser mit röhrenden Motoren und quietschenden Reifen beweisen wollen, dass sie die Größten sind.


