Der Regierende Bürgermeister Michael Müller baut, wenn er vor Vertretern der Stadtgesellschaft über die Zukunft Berlins spricht, gern eine Anekdote ein: Als die Landesregierung 1991 beschloss, in Adlershof einen Wissenschafts- und Technologiepark anzusiedeln, seien viele in Politik und Wirtschaft skeptisch gewesen. „So weit im Osten?“ und „Gehört das überhaupt noch zu Berlin?“ hätten die skeptischen bis hämischen Kommentare gelautet. Heute, stellt nicht nur Müller zufrieden fest, zweifelt niemand mehr diese Entscheidung an.
Das Projekt ist eine grandiose Erfolgsgeschichte und ein Wachstumsmotor für Berlin. Inzwischen sind dort 1000 Unternehmen und Institute mit 16.000 Beschäftigten ansässig. Die landeseigene Gesellschaft Wista (Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof) bringt Wissenschaftler, Unternehmer und Start-ups zusammen, sie weiß, welche Infrastruktur und welche Kontakte junge Firmen benötigen, um erfolgreich sein zu können. Heute gilt die 4,2 Quadratkilometer große Fläche als größter Wissenschafts- und Technologiecluster Deutschlands.
Tegel wird zur „Urban Tech Republic“
Berlin hat inzwischen so viel Potenzial, dass der in Adlershof erprobte Weg kein Einzelfall geblieben ist. Ein weiteres Großprojekt plant die Landesregierung in Tegel. Auf dem Flughafen soll, wenn er dann tatsächlich irgendwann einmal als Airport ausgedient hat, eine „Urban Tech Republic“ eingerichtet werden.
Doch Senatoren streiten um Zuständigkeiten. Die Wista untersteht der von Cornelia Yzer (CDU) geführten Wirtschaftsverwaltung, aber Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) möchte bei der Entwicklung solcher Zukunftsorte nicht nur in der zweiten Reihe sitzen.
Nun werden die entscheidenden Weichen für Tegel erst in der kommenden Legislaturperiode gestellt. Die nächste Landesregierung, ganz gleich, von welchen Parteien sie gebildet wird, wäre gut beraten, für die Entwicklung solcher Standorte von vornherein für klare Kompetenzen zu sorgen. Und sie sollte ihren Einfluss auf die Entwicklungsgesellschaft klein halten.


