Die desolate finanzielle Lage der vergangenen Jahre hat in Berlin spürbare Folgen: Die Straßen sind streckenweise in einem desolaten Zustand, die landeseigenen Gebäude kaum saniert, das Personal im öffentlichen Dienst zusammengespart und an vielen Stellen kaum noch leistungsfähig, wie das tägliche Trauerspiel in den Bürgerämtern zeigt. Demgegenüber ist seit einigen Jahren eine Trendumkehr eingetreten. Berlin wächst, Berlin boomt, Berlin holt auf. Die Steuereinnahmen steigen, weil immer mehr Jobs in der Stadt entstehen.

Auch die 55 landeseigenen Unternehmen wurden lange auf Sparflamme gehalten. Das soll sich jetzt ändern. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) hat mit den großen Unternehmen BSR, BVG, Wasserbetrieben und den Wohnungsbaugesellschaften Zielvorgaben für die kommenden zehn bis 15 Jahre vereinbart. Die Unternehmen sollen wieder in die Substanz investieren – das heißt, die BVG soll kontinuierlich neue Fahrzeuge einkaufen, die Wohnungsbaugesellschaften langfristig neue Wohnungen bauen und die Wasserbetriebe ihr Leitungssystem in Ordnung bringen. 2,5 Milliarden Euro sollen so pro Jahr in die Infrastruktur investiert werden.

Das ist gut angelegtes Geld, weil die Stadt davon nachhaltig profitiert. Es ist eine alte wirtschaftswissenschaftliche Binsenweisheit, dass in guten Zeiten Vorsorge für schlechtere Zeiten betrieben werden soll. Doch im kurzfristig orientierten Politikgeschäft kommt das häufig zu kurz. Zu verlockend ist es, das Geld schnell auszugeben und in Wählergunst umzuwandeln. Es passt zum unauffällig agierenden, aber auffällig oft gelobten Finanzsenator, dass er diesen Verlockungen nicht nachkommt.

Trotzdem ist Berlin noch weit davon entfernt, sorglos in die Zukunft zu schauen. Denn es lauern noch Risiken im Berliner Finanzwesen. Wenn die Zinsen anziehen, die Konjunktur einbricht oder die Attraktivität der Stadt nachlässt, dann könnte es mit dem Geldsegen bald vorbei sein. Deshalb muss Berlin die Chancen, die sich derzeit bieten, konsequent nutzen. Dass in Berlin künftig mehr als vier Milliarden Euro investiert werden, ist ein richtiges Zeichen und bringt die Stadt einen Schritt weiter in Richtung Normalität.